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Die Deutsche Post forciert den E-Postbrief
Spannende Aussichten
Unter dem Namen E-Postbrief bietet die Deutsche Post ihren Brief im Internet an. Wie wird die neue elektronische Alternative zum altbewährten Postbrief den Briefmarkt verändern? Welches Potenzial steckt dahinter? Wer gewinnt, wer verliert durch den elektronischen Brief? Fragen an Dr. Johannes Helbig, Mitglied des Bereichsvorstandes der Deutschen Post.
Dr. Johannes Helbig, Mitglied des Bereichsvorstandes der Deutschen Post: „Unseren Geschäftskunden ermöglicht der E-Postbrief die komplette Umstellung der internen und externen Kommunikation auf elektronische Prozesse.“
Herr Dr. Helbig, trotz milliardenfachen E-MailVerkehrs wurden in Deutschland bis zum Vorkrisenjahr 2008 immer mehr Briefe verschickt. Wie sieht es zukünftig aus?
Johannes Helbig:
Der Briefmarkt befindet sich im Wandel. Während der Gesamtmarkt für verbindliche Schriftkommunikation insgesamt wächst, nimmt der Marktanteil des Papierbriefs kontinuierlich ab, das gilt in absoluten und prozentualen Zahlen. Wir schreiben immer mehr, nutzen dabei aber zunehmend elektronische Medien.
Die Deutsche Post sieht diese Entwicklung als Chance. Die verbindliche, vertrauliche und verlässliche Kommunikation wird auch in der Online-Welt nachgefragt, die De-Mail-Initiative der Bundesregierung belegt diese Einschätzung. Daher sind wir davon überzeugt, dass der E-Postbrief eine erfolgreiche Zukunft hat.
Um welchen Anteil wird der Brief im Internet den herkömmlichen Briefversand verringern?
Helbig:
Der E-Postbrief ist keine Konkurrenz zum Brief – er ist weiterhin der verbindliche, vertrauliche und verlässliche Brief, nur mit vielen Optionen, die sein Papier-Pendant und die unsichere E-Mail nicht haben. Vor diesem Hintergrund kann der Briefmarkt durchaus wachsen, auch weil der Hybridbrief unseren Geschäftskunden eine schnelle Umstellung ermöglicht. Die Konversionsrate wird dann im wesentlichen davon abhängen, wie schnell die Privatkunden sich registrieren lassen. Es wäre jetzt zu früh, diesen dynamischen Prozess zu quantifizieren.
Wie sieht der Fahrplan bei der Einführung des E-Postbriefs aus. Welche Anwendergruppen will die Deutsche Post zunächst ansprechen?
Helbig:
Der E-Postbrief wird im Juli 2010 an den Markt gehen. Im Vorfeld haben wir einen umfangreichen internen Piloten mit mehr als 6000 Teilnehmern gefahren. Zurzeit sind wir in intensiven Gesprächen mit Geschäftskunden quer über alle Branchen hinweg. Wir treffen hier auf offene Türen und Ohren. Mit den ersten Kooperationspartnern sind wir in der Konzeptionsphase u. a. mit Lotto Hessen, der BIG Direkt gesund und dem Kommunalen Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe – einem der größten kommunalen Rechenzentren in NRW. Ab dem Sommer wird der E-Postbrief dann auch Privatkunden zur Verfügung stehen. Wir treiben das Projekt mit Volldampf voran.
Welche Bedeutung haben dabei die Geschäftskunden im B2BBereich und welche die Privatkunden?
Helbig:
Das größte Versandpotential liegt sicherlich auf Seiten der Unternehmen und Verwaltungen. Aber: das eine geht nicht ohne das andere. Der Nutzen eines Kommunikationsmediums wächst mit der Anzahl der Teilnehmer. Hier gilt: Je mehr Privatkunden angeschlossen sind, desto mehr Unternehmen nutzen das System und umgekehrt.
Die Deutsche Post nimmt hier eine Schlüsselrolle ein, weil wir das Potenzial haben, beide Nutzergruppen für den Brief im Internet zu motivieren. Die Deutsche Post ist für die meisten Menschen ein Synonym für den verbindlichen, vertraulichen und verlässlichen Brief. Sie kann daher auch glaubwürdig erklären, dass der Brief mit seinen Eigenschaften wie Verbindlichkeit – also eindeutigen Identitäten – Vertraulichkeit und Verlässlichkeit jetzt auch online verfügbar ist. Außerdem verfügen wir über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, solch ein Produkt auf den Markt zu bringen und die Kernbotschaft „Der Brief ist jetzt online“ zu kommunizieren. Und die Geschäftskunden können sicher sein, dass sie ihre Kunden mit dem E-Postbrief erreichen können.
Wird der E-Postbrief den Versand von Rechnungen, Kontoauszügen, Versicherungsinformationen etc. ersetzen?
Helbig:
Der E-Postbrief ist von Anfang an nach den Bestimmungen des BGB rechtsverbindlich für den weitaus größten Teil privatrechtlicher Angelegenheiten wie die meisten Vollmachten, Angebote, Kaufverträge usw.
Einen Brief kann man einfach abheften. Die elektronische Variante muss erst ausgedruckt werden. Letztlich haben die Privatanwender doch mehr Aufwand.
Helbig:
Wenn Briefe elektronisch ankommen, wird es ganz wichtig werden, den kompletten Vorgang vom Empfang und Versand bis zur Bearbeitung und schließlich Archivierung bequem und zuverlässig zu gestalten. Der klassische Post-Service hört heute an der Grundstücksgrenze, also am Briefkasten auf. Der E-Postbrief wird Dienstleistungen auch jenseits des Briefkastens anbieten. Wie beispielsweise die Archivierung in elektronischen DokumentenSafes. Solche Tools werden wir mittelfristig in das E-Postbrief-Portal integrieren.
Welche Leistungen bietet die Deutsche Post in Verbindung mit dem E-Postbrief noch?
Helbig:
Sie können z. B. Vertragsannahmen, behördliche Anträge oder Tippscheine per Mausklick versenden und empfangen. Sicherer im Netz einkaufen – z. B. Autos. Und das ist nur der Anfang, viele Mehrwertdienste werden noch kommen. Geplante Zusatzfunktionen sind das One-Click-Payment oder FormularManagement. Unseren Geschäftskunden ermöglicht der Brief im Internet die komplette Umstellung der internen und externen Kommunikation auf elektronische Prozesse. Ganz egal, ob der Kunde oder Bürger online ist oder ein Konto im Online-Portal hat. Der E-Postbrief erreicht jeden Empfänger. Es gibt also keine Medienbrüche mehr.
In welchem Zeitraum wird sich der E-Postbrief auf breiter Ebene durchgesetzt haben?
Helbig:
Grundsätzlich bereiten wir uns natürlich darauf vor, mittelfristig alle Kunden in Deutschland zu bedienen. Das ist Teil unseres Auftrags – wir sind für jeden da. Es gibt rund 65 Millionen geschäftsfähige Bürger und drei Millionen Unternehmen. Aber natürlich geht das nicht von heute auf morgen.
Wie das neue Produkt angenommen wird, entscheiden letztendlich die Kunden.
Bei jeder strukturellen Veränderung gibt es Gewinner und Verlierer. Die Verlierer sind sicher die Druckzentren, in denen heute Massenaussendungen gedruckt werden. Wer sind die Gewinner?
Helbig:
Gewinner sind die, die rechtzeitig die Chancen von Veränderungen erkennen und darauf reagieren. Das Internet hat die Kommunikation grundlegend verändert und tut es immer noch. Alle Marktteilnehmer müssen sich diesem Veränderungsdruck anpassen.
Vielen Dank, Herr Dr. Helbig.
(
www.deutschepost.de
)
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