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De-Mail, E-Postbrief und die Folgen
Geht es der Briefpost an den Kragen?

Welche Vorteile bietet das neue Briefmedium im Vergleich zur Briefpost oder der E-Mail? Für welche Anwender ist es interessant und wie wird es den Versand von geschäftlichen Informationen verändern? Dr. Werner Broermann vom Beratungsunternehmen Zöller & Partner hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und gibt im BIT-Interview darüber Auskunft.

Dr. Werner Broermann, Senior-Berater, Zöller & Partner GmbH: „Die kleine Änderung, mit der es Absender und Empfänger im einfachsten Fall zu tun bekommen, sind ihre neuen E-Mail-Adressen, denn nur mit ihnen wird diese Art von E-MailVerkehr möglich sein.“
Herr Dr. Broermann, wie kann man sich den elektronischen Brief in der Praxis vorstellen?

Dr. Werner Broermann:
Wenn wir über den E-Postbrief und De-Mail reden, haben wir es auf den ersten Blick mit ganz üblichen E-Mails zu tun. Das können also sowohl einfache E-Mails als auch E-Mails mit Anhängen sein, wie wir sie mit unserem E-Mail-Client oder dem WebBrowser-Interface unseres E-MailProviders verschicken und empfangen.

Worin unterscheidet sich der elektronische Brief von der bisher üblichen E-Mail?

Dr. Broermann:
In der Infrastruktur dazwischen: Sie soll dafür sorgen, dass aus dem im wahrsten Sinne des Wortes offenen E-Mail-Internet-Protokoll ein abgesichertes E-Mail-Intranet wird – also eines, das nicht mehr „offen“ für die Fälschung des Absender oder Inhalts, das Mitlesen durch Dritte und das Versenden unerwünschter Spams ist, sondern dem Absender gewährleistet, dass seine E-Mail unverfälscht und nicht lesbar durch Dritte im Postkorb des Empfängers landet und der Empfänger sicher davon ausgehen kann, dass die empfangene Mail vom angegebenen Absender stammt. Dies soll durch die verschlüsselte Übertragung der E-Mails zwischen dem Absenderund Empfänger-Provider sichergestellt werden.

Was müssen Absender und Empfänger tun, um an dem elektronischen Briefverkehr teilzunehmen, wie erfolgt die Anmeldeprozedur und welche technischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden?

Dr. Broermann:
Der Unterschied zur bisherigen E-Mail ist nicht in der Nutzung auf Absenderund Empfängerseite zu sehen – dort soll alles möglichst so bleiben wie gewohnt – es sei denn, der Nutzer legt Wert auf zusätzlich mögliche abgesicherte Anmeldeprozeduren.

Die kleine Änderung, mit der es Absender und Empfänger im einfachsten Fall zu tun bekommen, sind ihre neuen E-Mail-Adressen, denn nur mit ihnen wird diese Art von E-Mail-Verkehr möglich sein. Und um sie zu bekommen, müssen sich die Nutzer bei ihrem dafür zertifizierten Internet-Provider eindeutig identifizieren. Dafür wiederum sind Prozeduren wie das Post-Ident-Verfahren und der neue elektronische Personalausweis vorgesehen oder andere vergleichbare Verfahren, die noch dafür festgelegt werden sollen.

Wer beim E-Mail-Versand auf Sicherheit setzt, benutzt eine elektronische Signatur. Warum reicht dieses Verfahren nicht aus?

Dr. Broermann:
Das Problem ist nicht, dass einem Dokument, das qualifiziert elektronisch signiert ist, noch etwas fehlen würde. Die Schwachstelle ist das Transport-Medium, der E-Mail-Versand: Auch die elektronische Signatur konnte nicht sicherstellen, dass sich beide Kommunikationspartner korrekt identifizieren konnten, also der Absender davon ausgehen konnte, dass seine E-Mail den Adressaten erreicht hat, und der Empfänger, dass die Mail auch wirklich vom angegebenen Absender stammt. Außerdem war der Versandvorgang als solcher nicht zweifelfrei nachvollziehbar.
„Dass eine De-Mail einen Empfänger weniger zuverlässig erreicht als ein Brief, ist kaum vorstellbar, da der Versand von De-Mails in Bezug auf Zustellkriterien exakt vorgegeben und nachvollziehbar ist und protokolliert wird.“

Wird die elektronische Signatur beim elektronischen Brief überflüssig bzw. welche Notwendigkeit besteht dann noch für die elektronische Signatur?

Dr. Broermann:
Will der Absender eine rechtsgültige Nachricht bzw. ein entsprechendes Dokument – z. B. auch eine vorsteuerabzugsfähige Rechnung – verschicken, ist er nach diesem Verfahren – und durch das noch zu verabschiedende so genannte Bürgerportalgesetz – nicht mehr dazu verpflichtet, das Dokument mit einer elektronische Signatur zu versehen. Über das DeMail-Verfahren und seine Protokollierung ist der Nachweis der Rechtsgültigkeit vorgesehen.

Welche Sicherheitsvorkehrungen bietet der elektronische Brief?

Dr. Broermann:
E-Mails zwischen Nutzern und ihren Providern werden bei De-Mail über eine verschlüsselte Verbindung wie SSL/TLS oder ein vergleichbares Protokoll übertragen, und zwar sowohl bei Nutzung eines E-Mail-Clients als auch beim Zugriff über einen Web-Browser. Den Kritikern ist das zu wenig. Sie verlangen zwingend eine so genannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, mit der die Nachricht selbst verschlüsselt wird, da sie anderenfalls grundsätzlich noch kompromittierbar ist. Der De-Mail-Entwurf schreibt das nicht zwingend vor, lässt aber die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung explizit als Option zu – allerdings eben nur in Verantwortung der Nutzer selbst.

Ebenso ist das zusätzliche – auch qualifizierte – Signieren von Inhalten einer E-Mail möglich. Die Verschlüsselungszertifikate dafür müssen vom De-Mail-Provider in einem Verzeichnisdienst hinterlegt werden, den er anzubieten verpflichtet ist.

Vergleichbar der Briefpost gibt es auch bei DeMail die Versandoption „Einschreiben“. Wie funktioniert dieses Verfahren?

Dr. Broermann:
In diesem Fall werden dem Absender qualifiziert signiert die Zeitpunkte bestätigt, zu dem er die E-Mail verschickt hat und zu dem sie in das Postfach des Empfängers eingestellt wurde. Übrigens ein interessanter Aspekt in diesem Zusammenhang: Nach den Entwürfen gilt ein De-Mail-Einschreiben als zugestellt, wenn es vom Empfänger-Provider in das Postfach des Empfängers abgelegt wurde – also unabhängig davon, wann es dann vom Empfänger geöffnet und gelesen wird! Eine bizarre Vorstellung, wenn man sich ein Dokument mit einer vorgegebenen Reaktionsfrist und einen Urlaub ohne Internet-Zugang für mehrere Wochen vorstellt!
„Zunächst einmal ist dieses Vorhaben ein Rationalisierungsprojekt von gehöriger Größenordnung, von dem vor allem die Verwaltung, aber auch die Wirtschaft profitieren soll und wird.“

Gibt es noch weitere Sicherheitsoptionen?

Dr. Broermann:
Weitere Optionen sind die Attribute „persönlich“, mit denen der Absender eine höhere Stufe der Authentisierung des Empfängers zum Lesen seiner Nachricht erzwingen kann, sowie „Absenderbestätigt“, das dazu führt, dass der Absender eine mit einer qualifizierten Signatur versehene Bestätigung seines Providers für die Entgegennahme der E-Mail erhält – was für den Empfänger die Authentizität der Nachricht erhöht.

Was sind die wesentlichen Vorteile des elektronischen Briefs gegenüber der Briefpost?

Dr. Broermann:
Eine De-Mail wird zwar wie die Briefpost auch etwas kosten, aber sicherlich deutlich weniger als die Briefpost. Außerdem ist sie natürlich viel schneller zugestellt als die Briefpost. Und da es keinen Medienbruch gibt, können die Empfänger diese Dokumente direkt in ihre IT-Anwendungen übernehmen wie z. B. in ihr elektronisches Archiv– sie brauchen nicht mehr eingescannt zu werden. Das sind also schon sehr handfeste Argumente vor allem für Massenversender, wenn man bedenkt, dass dafür die Voraussetzungen gegenüber früheren Ansätzen viel aufwendiger waren.

Muss man mit Blick auf Sicherheit und Vertraulichkeit gegenüber der herkömmlichen Briefpost Abstriche machen?

Dr. Broermann:
Mit Sicherheit und Vertraulichkeit sind ja im Wesentlichen folgende zwei Aspekte angesprochen: Zum einen die Frage, ob ein Brief von Dritten abgefangen, mitgelesen und in seinem Inhalt manipuliert werden kann, und zum anderen die Frage, ob ich als Absender weiß, ob mein Brief beim Empfänger angekommen ist, bzw. umgekehrt, ob ich als Empfänger weiß, ob der angegebene Absender stimmt und mit wem ich es dort zu tun habe.

Dass eine De-Mail einen Empfänger weniger zuverlässig erreicht als ein Brief, ist kaum vorstellbar, da der Versand von De-Mails in Bezug auf Zustellkriterien exakt vorgegeben und nachvollziehbar ist und protokolliert wird. Durch die kurzen Zustellzeiten erhält man ja normalerweise innerhalb von Sekunden eine Rückmeldung und kann damit quasi online verfolgen, was sich abspielt. Da ist die Briefpost erstens viel träger und zweitens auch verwundbarer: Ein Briefträger, der den Brief versehentlich in den falschen Briefkasten steckt oder eine falsch gelesene Anschrift kommen zwar selten, aber eben doch vor.

Demnach ist der elektronische Brief sogar sicherer als die Briefpost?

Dr. Broermann:
Ein Brief durchläuft nun mal mehrere Stationen, bevor er im Briefkasten landet und an jeder Stelle droht die Gefahr, dass das gute Stück beschädigt oder fehlgeleitet wird oder verloren geht. Was die Vertraulichkeit, also den Schutz vor fremden Blicken in die eigene Post angeht, ist allein schon aus diesem Grunde die Situation nicht gerade vorteilhafter für die Briefpost. Ob darüber hinaus z. B. der Eindruck „Persönlich“ im Adressfeld eines Briefes immer dazu führt, dass in Firmen wirklich nur der Empfänger das Schreiben liest, ist genauso wenig sicher wie der Schutz vor Briefen, die bereits geöffnet im Briefkasten landen. Jeder hat da sicherlich schon seine einschlägigen Erfahrungen gesammelt.

Das heißt, die De-Mail ist ein sehr sicheres Medium?

Dr. Broermann:
Eine De-Mail ist durch die vorgegebene Sicherheitsinfrastruktur zwar schon deutlich sicherer als der postalische Brief, allerdings auch nicht absolut wasserdicht. Das lässt sich zum einen erkennen an der zuvor schon zitierten Kritik, dass bei einer De-Mail die Verschlüsselung von Nachrichten zwischen den beiden Endpunkten nicht obligatorisch ist, und zum anderen an Formulierungen des BMI wie „Mit De-Mail kann die Sicherheit und Vertraulichkeit beim Austausch elektronischer Nachrichten … auf ein flächendeckend hohes Niveau gehoben werden.“ Spätestens bei den staatlichen Diensten mit den großen Lauschohren dürfte der Unterschied vernachlässigbar sein.

Die Deutsche Post und das De-Mail-Konsortium, die beide ein eigenes Angebot des elektronischen Briefs vorbereiten, betonen die Einfachheit des Systems. Wie einfach sind die Installation und der Umgang mit dem System tatsächlich?

Dr. Broermann:
Wenn der Nutzer keine zusätzliche Verschlüsselung einsetzen will, also lediglich die Basisverschlüsselung nutzt, muss er sich lediglich bei einem akkredierten Provider für einen dieser Dienste anmelden und ein entsprechendes E-Mail-Konto auf seinem E-MailClient einrichten. Letzteres entfällt, wenn er über das Web-Browser-Interface dieses Providers auf seinen De-Mail-Account zugreift.

Kann man also davon ausgehen, dass die technischen und organisatorischen Hürden sehr niedrig sind?

Dr. Broermann:
Für die Nutzer sind die Hürden relativ leicht überwindbar, für die Internet-Provider dagegen stehen Akkreditierungsund Zertifizierungsverfahren mit dem BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) an, in denen sie schon komplexere Voraussetzungen nachweisen müssen, damit sie als De-Mail-Provider zugelassen werden.

Für welche Anwendergruppe ist der elektronische Brief interessant, wer kann davon besonders profitieren?

Dr. Broermann:
Zunächst einmal ist dieses Vorhaben ein Rationalisierungsprojekt von gehöriger Größenordnung, von dem vor allem die Verwaltung, aber auch die Wirtschaft profitieren soll und wird. Im Prinzip ist es der letzte größere Baustein, der aus Sicht des Staates notwendig ist, um die Kommunikation der Behörden mit Bürgern und der Wirtschaft vom Papier und dem Postversand wegzubringen. Damit lassen sich praktisch sämtliche rechtsverbindlichen Benachrichtigungen, Urteile, Verfügungen, Bescheide etc. per E-Mail abwickeln, sobald die davorliegenden Prozesse bei den Behörden darauf eingerichtet sind.

Dafür braucht es aber das Mitmachen der Empfänger, also der Bürger und Wirtschaft.

Dr. Broermann:
Den Initiatoren war von vornherein bewusst, dass das Ganze nur funktioniert, wenn die Konstruktion von möglichst vielen Nutzern auf Empfängerseite angenommen wird. Dann wurde den Beteiligten immer klarer, dass diese Form des elektronischen Briefes genauso auf den Schriftverkehr der Unternehmen zu anderen Unternehmen und zu Endkunden übertragbar ist und auch dort zu etlichen Einsparungen und Vereinfachungen führen würde – also aus diesem Blickwinkel auch ein Stück globaler Wettbewerbsvorteil ist.

Apropos Einsparungen: Wenn der elektronische Brief den postalischen Brief großenteils ersetzt, was ja das Fernziel ist, wird das doch sicher nicht spurlos am Postzustelldienst vorüber gehen. Sind sich die Unternehmen dieser Konsequenzen bewusst?

Dr. Broermann:
„Weitaus am stärksten betrifft dieses Thema ja die gelbe Post – sie stellt den größten Teil dieser Art von Briefpost zu. Und sie ist – siehe E-Postbrief – sich der Konsequenzen sehr wohl bewusst. Das ist auch der Grund dafür, weshalb man dort so frühzeitig und relativ eigenständig neben der De-Mail versucht hatte, sich vom Rest der Internet-Provider abzusetzen.

Auch wenn darüber bisher wenig an die Öffentlichkeit gedrungen ist, kann man davon ausgehen, dass die Deutsche Post AG entsprechende Konversionsmodelle durchgerechnet hat. In den letzten Jahren ist im Zustellbereich bereits heftig rationalisiert worden, und die Auseinandersetzungen mit Verdi zu diesem Thema sind gerade im letzten halben Jahr eskaliert. Denn der Postvorstand stellte ja im Herbst bereits in Aussicht, die Arbeitszeiten zu verlängern, Lohnerhöhungen um ein Jahr zu verschieben und Neueingestellte in einer Tochtergesellschaft unterzubringen, die Briefträger nur noch zu Mindestlohnbedingungen beschäftigt, und die Zustellung fremd zu vergeben. Die alternativen Dienstleister, auch wenn zu einem deutlich kleineren Teil von dem Thema De-Mail und E-Postbrief betroffen, haben mit ihren Tarifmodellen diese Entwicklung sicherlich nicht gerade gebremst.

Welchen Nutzen haben Privatkunden davon, wenn sie Dokumente, z. B. Rechnungen, in der Regel doch eher ausdrucken als sie elektronisch zu archivieren?

Dr. Broermann:
Der Nutzen aufseiten der privaten Kunden ist tatsächlich relativ gering. Soweit finanzielle Anreize im Spiel sind, werden sie je nach Größenordnung diese ausnutzen. Das haben ja bereits die Portallösungen diverser Anbieter vor allem im Telekommunikationssektor gezeigt. Einen gewissen Reiz dürften auch die von den Dienste-Providern angebotenen Archivierungsdienste ausüben.

Sie rechnen also damit, dass Privatkunden ihre Rechnungen in dem vom Provider angebotenen Dokumenten-Safe belassen?

Dr. Broermann:
Die Tendenz geht eindeutig in diese Richtung. Wenn ein Nutzer die Vertraulichkeit bei diesen Angeboten gewahrt sieht, ist das für ihn die bequemste Variante. Er hat, ohne viel dafür tun zu müssen, dann jederzeit und von jedem Ort aus Zugriff auf diese Dokumente und braucht sich nicht um ein eigenes Archiv und seine Sicherungen zu kümmern.

Für welche Vorgänge ist der elektronische Brief besonders geeignet und für welche Anwendungen weniger sinnvoll?

Dr. Broermann:
Im Prinzip ist der elektronische Brief bei allen Kommunikationsprozessen angesagt, bei denen es um rechtsgültige Verbindlichkeit und um Nachweisbarkeit geht. Dazu zählt zum einen jede Kommunikation mit der öffentlichen Verwaltung und Justiz, zum anderen aber auch jeder Schriftverkehr, der zu Geschäftsvorgängen in der Wirtschaft gehört und in irgendeiner Weise aufbewahrt werden muss. Man könnte auch sagen, es betrifft jeden Postbrief, der mehr als reine Werbung ist. Denn er wird ja bisher mangels praktikabler Alternativen über die Briefpost abgewickelt.
„Das bietet dem Versender sogar die Möglichkeit, nachzuverfolgen, ob und für welche Web-Seiten sich der Empfänger interessiert. Auch hier bietet das Medium, wie man sieht, viel mehr Varianten als der Postbrief.“

Besteht die Aussicht, dass der bisherige E-Mail-Verkehr sich teilweise auf die neue Plattform verlagert und damit auch das SpamProblem gelöst wird?

Dr. Broermann:
Ob auch der bisherige E-Mail-Verkehr auf diese Infrastruktur in Teilen wechseln wird, ist dagegen noch eine offene Frage. Reizvoll oder geradezu ein Segen wäre eine spamfreie E-Mail-Adresse für viele ja schon. Dagegen sprechen allerdings die Gebühren, welche die De-Mail-Provider derzeit pro Brief sprich Mail andenken. Es lassen sich von den Providern ja schlecht Unterschiede machen zwischen einer DeMail, die bisher ein Postbrief war, und einer, die vorher eine normale E-Mail war. Hier müssten die DeMail-Provider gegen die gesamte Kostenkette der Antispam-Maßnahmen – übrigens auch ihrer eigenen – kalkulieren – ohne ein attraktives Flatrate-Modell schwer vorstellbar. Also ein richtig heißes Thema für die Provider!

Wird die neue elektronische Post – ob De-Mail oder E-Postbrief – den postalischen Massenversand von Rechnungen, Kontoauszügen, Versicherungsschreiben etc. irgendwann ersetzen?

Dr. Broermann:
Davon kann man wohl ausgehen. Aus Sicht der Versender solcher Massenpost geht es hier um ein riesiges Einsparungspotenzial. Es sind nicht nur die reinen Versandkosten, die gewaltig zu Buche schlagen, sondern im B2BVerkehr auch die einfachere, durchgängige Integration dieser Kommunikation in die nachfolgenden IT-Prozesse.

Da hier die individuellen Abstimmungen auf das Vorhandensein einer De-Mailoder E-PostbriefAdresse zusammenschrumpfen, sind die Hürden für die Unternehmen sehr niedrig. Im B2C-Verkehr dagegen spielen auf Empfängerseite diese Argumente nur eine geringe Rolle. Hier werden die Unternehmen voraussichtlich durch finanzielle Anreize dafür sorgen, dass auch die privaten Nutzer in möglichst großer Zahl und möglichst bald aufspringen.

In welcher Zeitachse wird Ihrer Ansicht nach diese Substitution erfolgen?

Dr. Broermann:
In Deutschland ist aus heutiger Sicht damit zu rechnen, dass das Bürgerportalbzw. De-MailGesetz im Herbst verabschiedet wird, da es derzeit keine nennenswerten Widerstände gibt. Bis dann der Zertifizierungsund Akkreditierungsprozess der Dienste-Provider abgeschlossen ist, wird es vermutlich Ende des Jahres werden. Das heißt, dass die ersten Nutzer Anfang nächsten Jahres damit starten können.

Gilt dies auch für den E-Postbrief der Deutschen Post?

Dr. Broermann:
... der zwar schon in den nächsten Wochen starten soll, aber erst mit den gesetzlichen Voraussetzungen in gleicher Weise nutzbar sein wird und auf die Infrastruktur zu den anderen Providern auch angewiesen ist.

Das Projekt kann also erst dann starten, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Welche Faktoren beeinflussen den flächendeckenden Start?

Dr. Broermann:
Einflussfaktoren für das Tempo, mit dem diese Verfahren eingeführt werden, sind zum einen der Identifizierungsprozess, der Voraussetzung für den Erwerb einer De-Mailbzw. E-PostbriefAdresse ist. Der Identifizierungsprozess kann durch die Einführung des elektronischen Personalausweises als eines der möglichen Identifikationsmedien einen weiteren Auftrieb bekommen. Zum anderen wird es eine gewisse Zeit brauchen, bis die Unternehmen und Behörden ihre Prozesse dafür angepasst haben.

Entwicklungen im Ausland zeigen, wenn man noch den Einfluss von Generationsunterschieden im Zugang zu diesen Medien und gewisse länderspezifische Unterschiede berücksichtigt, dass ein Zeitraum von ca. fünf Jahren reichen kann, bis die Mehrheit der Nutzer auf diese Versandarten umgestiegen ist.

Häufig enthalten Aussendungen, z. B. von Versicherungen und Banken, neben dem Anschreiben auch noch etliche Beilagen. Wie erfolgt der Beilagenversand bei der elektronischen Post?

Dr. Broermann:
Prinzipiell gibt es beim E-Mail-Versand dafür ja zwei Varianten, um zusätzliche Informationen unterzubringen: Im Anschreiben selbst können entsprechende Botschaften untergebracht werden oder in einem separaten Anhang. Die sicherlich attraktivste Variante ist, im Anschreiben Appetit auf ein Thema zu wecken und dann einen Link anzubieten, der den Empfänger durch einen einfachen Klick auf eine passend gestaltete Website führt. Das bietet dem Versender sogar die Möglichkeit, nachzuverfolgen, ob und für welche Web-Seiten sich der Empfänger interessiert. Auch hier bietet das Medium, wie man sieht, viel mehr Varianten als der Postbrief.

Entstehen damit beim Absender neue technologische Anforderungen an die Beilagenzuführung im elektronischen Medium?

Dr. Broermann:
Wenn man bei diesem elektronischen Medium von „Beilagenzuführung“ redet, dann sind analog zum Postbrief die Anhänge in einer E-Mail gemeint. Die Technik, solche Anhänge in solche E-Mails zu verpacken, müssen die genutzten Programme bei der Sendungsverteilung beherrschen. Die Steuerung hierfür ist allerdings nichts wirklich Neues.

Bleibt festzuhalten, dass zukünftig wohl immer mehr Briefe auf elektronischem Wege verschickt werden statt per Postversand. Welche Folgen hat dies Ihrer Ansicht nach für Druckzentren und Postdienstleiter?

Dr. Broermann:
Je nach Anteil am gesamten Druckvolumen mehr oder weniger heftige. Die Druckzentren sollten sich dementsprechend Gedanken über Kostenmodelle und die Postdienstleister über ihr zukünftiges Geschäftsmodell machen. Was sich ja nicht notwendig ändert, ist das Versandvolumen, sondern der gedruckte Teil davon.

Damit könnte auch Transpromo im PrintVerfahren, also der Werbeaufdruck auf Rechnungen oder Kontoauszügen, an Bedeutung verlieren. Das bedeutet,Transpromo ohne Druck wird wohl immer noch stattfinden; das wird die Output-Software-Hersteller freuen.

Dr. Broermann:
Transpromo als personalisierte Werbung kann beim elektronischen Brief in dreierlei Weise stattfinden: im Anschreiben, in einem entsprechend gestalteten Anhang – auch natürlich im eigentlichen angehängten Dokument – oder in einer geschickt aufgebauten Website. Auch hier sind die Möglichkeiten ungleich größer als mit dem Postbrief.

Ist damit zu rechnen, dass der elektronische Brief eher eine Übergangslösung ist? Wird irgendwann womöglich die Kommunikation direkt zwischen den Kommunikationspartnern ohne Umwege stattfinden?

Dr. Broermann:
Die unmittelbare Kommunikation in der Massentransaktionsverarbeitung mit dem Empfänger ist beim elektronischen Versand eigentlich wenig sinnvoll. Einer der Hauptfortschritte der InternetKommunikation ist ja gerade die Auslagerung des Versands an einen Provider bzw. ein Provider-Netz im Gegensatz zu einer direkten End-toEnd-Verbindung. Denkbar wäre noch eine standardisierte Übertragung der operativen Dokumentendaten nicht in Form von gestalteten Dokumenten, sondern z. B. als XML-Datenstrom von Rechnungsdaten, der sich viel einfacher gleich auf Empfängerseite verarbeiten ließe – wie bei den diversen EDI-Varianten. Aber auch ein solcher „Dienst“ würde sinnvollerweise über einen Dienste-Provider abgewickelt.

Vielen Dank, Herr Dr. Broermann.

(www.zoeller.de)

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