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Management meets Jazz, Jazzonomics Teil II
Gemeinsam sind wir stark
Der Jazz sei „brotlose Kunst“, heißt es oft. Zu voreilig, denn er kann einen gewinnbringenden Nutzen für die Wirtschaftsund Unternehmenswelt leisten: Jazzonomics zeigt, wie Gestaltungsund Handlungsprinzipien aus dem Jazz auf die heutigen Anforderungen in den Unternehmen übertragen werden können.
Gemeinsam sind wir stark. Neue Ideen entstehen im Kollektiv: Die Musik, das sind die Musiker, war das Credo von Miles Davis. Gleiches in Bezug auf die Wirtschaft stellt auch Peter Drucker, Ökonom und Pionier der modernen ManagementLehre, klar: Erfolgreiche Führungskräfte denken oder sagen nicht „ich“, sondern „wir“. Jazz ist ein partizipativer und demokratischer Prozess. Intensive Kommunikation sowie ständiges Senden und Empfangen sind im Spiel maßgebend. Das eigentümliche Spannungsverhältnis zwischen Solist und Ensemble lenkt die Musik. Freiheit findet im vorgegebenen Rahmen statt.
Was die Jam-Sessions des Jazz’ sind, sind Innovations-Workshops für Unternehmen: effektive Plattformen zur Ideengenerierung. Der Jazz-Prozess, als Management-Tool eingesetzt, lässt Neues entstehen. Ideen kreieren, weitergeben und weiterspinnen, sich austauschen und gegenseitig anregen – etwas entstehen lassen, das mehr als die „Summe seiner Teile“ ist, etwas, wovon man gar nicht wusste, dass es in einem steckt.
Wie Kommunikation und Teamplaying erfolgreich als Wettbewerbsvorteil genutzt werden kann, zeigt 3M: Mit einer globalen Ideendatenbank setzt das Unternehmen auf die Effizienz des Kollektivs. Das Netzwerk macht Know-how und Wissen mobil. Damit Ideen der Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Divisionen in 60 Ländern nicht verfliegen, initiierte das Unternehmen ein weltweites Sammelbecken. Wenn also ein Ingenieur in Korea eine zündende Idee hat, kann der Kollege in Deutschland diese nutzen, weiterverfolgen, entwickeln oder für seine Bedürfnisse anwenden.
Chance zum Solo
Innovation braucht jede Stimme – im Jazz wie in der Wirtschaft: Statt Mitarbeiter einzuschränken sollte man ihnen Freiräume während ihrer Arbeitszeit einräumen, damit sie eigenen Ideen nachgehen können. Weil 3M das Mitarbeitersolo kultiviert hat, ist ein absolutes Erfolgsprodukt entstanden: Der berühmte „Post-it“ geht auf die genehmigte Eigeninitiative eines Angestellten der F&E-Abteilung zurück. Dadurch, dass das Unternehmen Mitarbeitern 15 Prozent der Arbeitszeit für eigene Forschung und Projekte gönnt, ist gewinnbringende Innovation entstanden.
Improvisation
Die Entstehung des gelben Klebezettels ist ganz nebenbei auch ein Beispiel dafür, wie Improvisation nicht nur im Jazz, sondern auch in der Wirtschaft zu erfolgsversprechenden Ergebnissen führen kann. Durch improvisatorisches Verhalten wurde spontan ein Bestseller kreiert. Der Begriff „Improvisation“ ist in der Wirtschaft leider noch stark negativ besetzt; sie kommt notgedrungen ins Spiel, wenn sich Planung als falsch erwiesen hat. Aber ist es heute, im turbulenten Umfeld, überhaupt noch möglich, Pläne zu machen – und gerade in Zeiten einer Krise? Oder in der schnelllebigen und ständig im Wandel begriffenen IT-Industrie? Verstanden als zielgerichtete und wohl kalkulierte Handlungsweise, ist Improvisation alles andere als ein Notnagel. Verstanden als spontanes Agieren auf Basis von vorgefertigtem Material, schöpft Improvisation ihre Kraft und Wirkung aus dem eigentümlichen Spannungsverhältnis von Spontaneität und Planung.
Jazz-Musiker sind sich dem Potenzial der Improvisation bewusst, wie der deutsche Pianist Michael Wollny: „Dinge werden einfacher, sobald wir nicht ständig versuchen, alles zu kontrollieren. Und sie werden dadurch nicht notwendigerweise schlechter! Mit der Kunst ist es wie mit der Erotik – nichts bleibt einem so sehr versagt wie das, was man unbedingt will. Meine Philosophie ist, die Umstände für ein Projekt schon sehr genau zu planen (also Kompositionen, Konzepte, Formen etc.), um dann im Moment der Improvisation überhaupt nicht mehr über all dies nachzudenken und nichts mehr zu wollen. Die Zutaten stehen bereit, das Ego, der Wille, die Kontrolle wird ausgeschaltet und der Augenblick sagt, was zu tun ist. Wenn das gelingt, dann entstehen die wirklich großen Momente.“
BIT-Club-Tipp
BIX Jazz-Club, Stuttgart,
www.bix-stuttgart.de.
Einige Highlights im Februar: Wolfgang Schmid, Funk-Jazz, 2.2.10; Max Greger jun. feat. Eva Laeticia & Toni Bullock, Vocal-Jazz, 4.2.10; James Blood Ulmer & Black Rock Trio, Blues, 5.2.10; Lorenz Raab & Bleau, Modern Jazz, 10.2.10; Joerg Reiter Quartett feat. Toni Lakatos, Saxofon Power, 12.2.10; Eric Legini Trio feat. Till Brönner, 17.2.10; Ron Spielmann, Vocal, 18.2.10; Stitches Brew, Vocal-Jazz, 24.2.10; Anita Vitale Quartett, 19.2.10; Joo Kraus, Lounge Jazz, 25.2.10.
Marco Ostrowski
Marco Ostrowski ist Musikwissenschaftler und Kunst-Manager und zugleich verantwortlicher Produkt-Manager des Jazzlabels ACT Music + Vision in München. Der Autor dieses Beitrages bietet Unternehmen Vorträge und Workshops zum Thema Jazzonomics an. Jazzonomics bedeutet, Jazz als Impulsgeber für die Wirtschaft zu nutzen. Die Idee ist erstmals zu Beginn der 1990er-Jahre unter der Bezeichnung Jazz-Metaphor in das Interesse von interdisziplinär denkenden Betriebswirten und Wissenschaftlern gerückt. Jazzonomics baut auf diesen Erkenntnissen auf, geht aber einen Schritt weiter: Das Konzept versteht sich als eine umfassende Management-Haltung, die konkrete Übertragungsmöglichkeiten für Unternehmen anbietet und Anwendungsbereiche für erfolgreiches wirtschaftliches Handeln aufzeigt. Kontakt und Anfrage: marco_ostrowski@hotmail.com
BIT-Management meets Jazz
Management & Jazz:
Was kann Management vom Jazz lernen?
Management meets Jazz, Jazzonomics Teil III:
Blick über den Tellerrand
Management meets Jazz, Jazzonomics Teil II:
Gemeinsam sind wir stark
Management meets Jazz, Jazzonomics Teil I:
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Management meets Jazz:
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über den ECM-Markt 2012
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