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Sonny Rollins, Road Shows Volume 2
Kolossal
Atemberaubend sind sie immer noch, die Live-Konzerte von Sonny Rollins. Wenn der mittlerweile 81-jährige Saxophone-Spieler, ein Zwei-Meter-Hühne, weißhaarig und mit auffällig schwerfälligem Gang die Bühne betritt, ahnt das Publikum das historische Ereignis. Sonny Rollins gilt als lebende Legende, die eigensinnig wie stets, seine Mitspieler zu wahren Orgien im musikalischen Kräftemessen anregt. Unvergesslich ist das Duell, das sich der Saxophon-Koloss auf der Jazz-Open im Juli 2009 bei dem 15-Minuten-Stück „Don´t stop the carneval“ mit seinem Drummer lieferte. Die immer noch grandiose Energie des alten Herrn überträgt sich auf die Mitspieler, die sich durch seine melodischen Akzentuierungen und Kommentare zu Höchstleistungen angetrieben sehen.
Mit der CD „Road Shows Vol. 2“ liegen nun die Highlights eines Auftritts im New Yorker Beacon Theatre aus dem Jahr 2010 sowie einer Japan-Tournee vor. Begleitet wird er dabei von den nicht weniger prominenten Jazzern wie dem Trompeter Roy Hargrove, dem Bassist Christian Mc Bride, dem Gitarristen Jim Hall, dem Schlagzeuger Roy Haynes und dem Tenorsaxophonisten Ornette Coleman.
Die CD beginnt mit einem 15-minütigen Parforce-Ritt durch den Irving-Berlin-Klassiker “They Say It’s Wonderful”. Zur Seite steht dem Frontmann seine eingespielte Tourband mit Gitarrist Russell Malone, Bassist Bob Cranshaw, Drummer Kobie Watkins und Perkussionist Sammy Figueroa. Dann folgt das erste Stück aus dem Beacon Theatre, ein weiterer Klassiker: diesmal Ellingtons “In A Sentimenal Mood”, elegant interpretiert von Gastgitarrist Jim Hall mit Cranshaw, Watkins und Figueroa – aber ohne Sonny Rollins. Der meldet sich aber gleich danach auf furiose Weise zurück: gemeinsam mit Ornette Coleman, Christian McBride und Roy Haynes zelebriert er einen über zwanzigminütigen “Sonnymoon For Two” oder besser “Sonnymoon For Four”. Dieses Zusammenspiel zwischen Sonny und Ornette ist ein jazzhistorisches Ereignis. Denn die beiden Saxophonisten – obwohl seit Jahrzehnten befreundet – treten hier erstmals gemeinsam auf.
Doch auch der Rest ist nicht von schlechten Eltern. Trompeter Roy Hargrove gesellt sich zu Rollins und seiner Band, um Vernon Dukes “I Can’t Get Started” und Billy Strayhorns “Rain Check” zu interpretieren. Abgerundet wird das Album mit einer für Sonnys Rollins Verhältnisse extrem kurzen Version seines unverwüstlichen Calypso-Klassikers “St. Thomas”. Die graue Eminenz des Jazz beweist einmal mehr, dass sie auch in fortgeschrittenem Alter noch über grandiose Energiereserven verfügt. Label: Emarcy, Universal Music, 2011.
Jacques Ziegler
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