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BITspezial Oktober 2009 Seite: 88
Management meets Jazz
Kommunikation und Vertrauen
Manager können sich vom Jazz reichlich inspirieren lassen, wenn sich ihnen Jazz als Organisationsprinzip offenbart. Im folgenden Beitrag erläutert Prof. Mini Schulz von der Musikhochschule Stuttgart, welche Rolle dabei Kreativität und Vertrauen spielen und welche Faktoren – in der Unternehmensführung ebenso wie im Jazz – das Ergebnis beeinflussen.
(Foto: Mathias Hangst)
Die verschiedenen Organisationsprinzipien und das Prozess-Management beim Zusammenspiel von Musikern entsprechen durchaus dem Management von Unternehmen bzw. flexiblen, entscheidungsfreudigen Teams oder Businessunits. Unternehmens- und Team-Management findet in der klassischen wie auch in der Jazz-Musik zahlreiche Anregungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit der relevanten Akteure.
Klassik und Jazz unterscheiden sich jedoch ebenso voneinander wie hochorganisierte, starre Strukturen, die in bestimmten Unternehmensbereichen zwingend erforderlich sind, von flexiblen Teams, bei denen es auf die Kreativität des Einzelnen ankommt.
So kann z. B. ein großes, klassisches Sinfonieorchester mit 80 bis 120 Musikern nicht auf klare Vorgaben und feste Strukturen verzichten. Um ein solches Orchester zum Klingen zu bringen, beschreibt der Komponist exakt seine Idee und gibt vor, zu welchem Zeitpunkt welcher Ton gespielt werden soll, er bestimmt die Dynamik, die Artikulation, die Klangfarbe und vieles mehr. Jeder einzelne Musiker benötigt eine präzise Spielanweisungen.
Hier liegt der Vergleich zu einem Unternehmen nahe, das ein Produkt aus der Entwicklungsabteilung so hochwertig und effizient wie möglich erstellt. Auch dazu sind klar definierte Prozesse, Arbeitsplatzbeschreibungen und qualifizierte Mitarbeiter notwendig, um bei Nutzung aller Ressourcen ein optimales Ergebnis zu erzielen. Kreativität ist in reinen Fertigungsbereichen jedoch weniger gefragt als vielmehr die präzise Durchführung einzelner Fertigungsschritte.
Schöpferisch im Team
Und hier liegt der Unterschied zur Jazzband, zur kleinen Unit, in der durch schöpferische Freiräume ein herausragendes Ergebnis erreicht werden soll. Der Komponist gibt in den meisten Fällen nur einen Rahmen, eine Grundidee vor und vertraut mit der Erstellung des Gesamtergebnisses auf die Band-Mitglieder, ihre technischen Fähigkeiten und ihre kreativen Beiträge im unmittelbaren Prozess während des Musizierens.
Natürlich gibt es auch hier festgelegte Rollen: Der Schlagzeuger kümmert sich um den Rhythmus, der Bassist verbindet Rhythmus und Harmonien, der Pianist und der Gitarrist gestalten das harmonische Gerüst und Melodieinstrumente wie Saxofon oder Trompete stellen das Thema vor. Die Aufgabenverteilung ist geregelt, allerdings sind die Musiker aufgefordert, mit dem Tonmaterial zu spielen, es zu zerlegen und neu zu erfinden. Dies wird von den Mitspielern kommentiert, sie gehen aufeinander ein und entwickeln die Idee weiter.
Das Endergebnis hängt jedoch immer davon ab, wie gut die Mitspieler zuhören, wie sie sich gegenseitig unterstützen und die neue Idee gemeinsam weiterentwickeln. Dazu wählt ein guter Bandleader seine Musiker mit Bedacht, vertraut auf ihre Kommunikationsfähigkeit, ihre Kunstfertigkeit und ihre Intuition. Nicht immer steht er im Vordergrund. Er lässt Raum für Ideen, koordiniert und behält die Übersicht – ein Manager der Musik.
Modell für Teamwork
Einer der größten Meister dieser Art zu arbeiten, die richtigen Musiker zusammenzustellen, mit neuen Ideen umzugehen und auch durchaus harte Entscheidungen zu treffen, war der Trompeter und Komponist Miles Davis. In einem Miles Davis gewidmeten Buch (Kind of Blue – die Entstehung eines Meisterwerks) beschreibt der Autor Ashley Kahn den Zusammenhang von Musik, Improvisation, Intuition, Zeitgeschichte und Management. Wer mit diesem Wissen ein Jazz-Konzert hört, erlebt, wie ästhetische Entscheidungen getroffen und Ideen weitergegeben werden, wie sehr die Kommunikation zwischen den Musikern über das Ergebnis entscheidet und wie die Aufmerksamkeit der Mitspieler die Musik unmittelbar beeinflusst. Jazz, ein perfektes Modell für Teamwork.
Prof. Mini Schulz unterrichtet am Institut für Jazz- und Popularmusik an der Musikhochschule Stuttgart. Er ist Mitbegründer des Popbüro Region Stuttgart, war dessen künstlerischer Leiter und ist künstlerischer Leiter des BIX-Jazzclub Stuttgart. Die musikalische Laufbahn von Mini Schulz führte von der Klassik zum Jazz. Nach Engagements beim Radio Sinfonie Orchester Stuttgart und als Solobassist beim Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, war er von 1993 bis 2006 als Bassist und Manager beim Stuttgarter Kammerorchester engagiert. Seit 2006 wirkt er u. a. als Solobassist im Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele und arbeitet mit verschiedenen Kammermusikensembles mit Schwerpunkt auf historische Aufführungspraxis. Im Jazz-/Pop-Bereich spielte er u. a. mit Phillip Caterine, Laurie Anderson, Les Mc Cann, Dino Saluzzi, Wolfgang Dauner, Lou Reed, Paul Young, Steve Gadd, Giora Feidman, Kenny Werner, Toni Lakatos, Bob Mintzer, Benny Bailey, Helen Schneider u. v. a.
BIT-Management meets Jazz
Management & Jazz:
Was kann Management vom Jazz lernen?
Management meets Jazz, Jazzonomics Teil III:
Blick über den Tellerrand
Management meets Jazz, Jazzonomics Teil II:
Gemeinsam sind wir stark
Management meets Jazz, Jazzonomics Teil I:
Impulse für Unternehmen
Management meets Jazz:
Kommunikation und Vertrauen
Management meets Jazz:
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über den ECM-Markt 2012
Dr. Bernd Huber, SET:
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Klaus Ganter, Kühn&Weyh:
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