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Lyambiko auf Tour

Charismatisch

Lyambiko live ist eine Klasse für sich. Wer eine der prominentesten deutschen Jazz-Sängerinnen mit ihrer herausragenden Band live erleben will, hat im Oktober und November Gelegenheit dazu. Z.B. am 20.10. im BIX Stuttgart. (Foto: Uwe Arens)

(Foto: Uwe Arens)
ihren Auftritten kürzlich im ZDF Morgenmagazin und Heute Journal dürfte die Jazz-Echo-Preisträgerin nun auch einem breiten Publikum bekannt sein. Den Promi-Status im Jazzbusiness und weit darüber hinaus darf sie sich nun mit dem Jazz-Trompeter Till Brönner und dem kürzlich verstorbenen Sänger Roger Cicero teilen. Mit beiden gemein hat sie die Gabe, den Jazz über die Grenzen des Genres hinaus populär zu machen. Ihre aktuelle CD „Love Letters“, das immerhin zehnte Studioalbum innerhalb 15 Jahren, ist dafür wie geschaffen. Allein die anrührende Story hinter dem Album öffnet die Herzen der Zuhörer. Es geht um plötzlich aufgetauchte Briefe des Großvaters ihres Ehemanns an seine spätere Frau, geschrieben in den Jahren 1933 bis 1944. Die Kulisse ist das Drama der Geschichte dieser Jahre, der Inhalt handelt vor allem von dem Vermissen der Liebsten und dem leidenschaftlichen und sehnsuchtsvollen Werben um sie. Briefe, wie geeignet als Vorlage für einen Roman.

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Inspiriert von dieser romantischen Fundgrube schrieb Lyambiko eigene Songs mit Kompositionen von ihren kongenialen Partnern Marque Lowenthal am Piano und Robin Draganic am Kontrabass. Angereichert wurde das aktuelle Werk mit Jazzklassikern und verschollenen Perlen amerikanischer und europäischer Songwriter. Sieht man von Standards wie „Close Your Eyes“ und „Stardust“ ab enthält das Album Songs, die sich der Vergleichbarkeit entziehen. Und das ist auch gut so. Immer dann, wenn Lyambiko gut geebnete Pfade verlässt, kann sie mit originären Songs und Kompositionen ihr Tempo, ihre Dynamik, ihre Koloraturen selbst entwerfen und ihre Ausdrucksvielfalt unter Beweis stellen. Das gilt insbesondere für das aktuelle Album, auf dem sie die Phrasierungen punktgenau trifft und die Songs mit Herz und Seele in Stimme und Körpersprache interpretiert. Die Band besteht aus herausragenden Musikern, wie die langjährigen Lyambiko-Begleiter Marque Lowenthal am Piano und Robin Draganic am Kontrabass, den neu hinzugekommenen Schlagzeuger Tilman Person und als absolute Bereicherung Martin Auer mit sensiblem, warmem Trompetenspiel.

Ihre Vielseitigkeit in der Songauswahl und Interpretationsfähigkeit hat Lyambiko mit Vorlagen von Van Morrison („Mondance“), Freddie Mercury („Sombody To Love“) oder etwa Jethro Tull („Look Into The Sun“) und den zahlreichen Jazz-Standards längst unter Beweis gestellt. Auch ihre Qualitäten als Songwriterin sind seit dem Album „Inner Sense“ (2007) unbestritten. Ob Swing, Bossa, Blues, Lyambiko gibt dem Jazz in Deutschland eine unverwechselbare Stimme und die Band spielt (nicht nur auf dem aktuellen Album) hinreißend. Wer die Magie der Formation Lyambiko live erleben will, der hat nun in folgenden Städten Gelegenheit dazu:

  • 14.10.17 Berlin, Quasimodo
  • 15.10.17 Kiel, Kulturforum
  • 18.10.17 Regensburg, Leerer Beutel
  • 19.10.17 Oberhaching, Bürgersaal
  • 20.10.17 Stuttgart, BIX
  • 21.10.17 Burgdorf, Stadthaus
  • 24.10.17 Münster, Hot Jazz Club
  • 25.10.17 Trier, TUFA
  • 26.10.17 Dortmund, Domicil
  • 27.10.17 Bad Homburg, Kulturbahnhof
  • 28.10.17 Karlsruhe, Tollhaus
  • 29.10.17 Mainz, Frankfurter Hof
  • 31.10.17 Kassel, Theaterstübchen
  • 02.11.17 Hannover, Jazzclub
  • 03.11.17 Bremen, KITO
  • 04.11.17 Plauen, Malzhaus
  • 05.11.17 Dresden, Societätstheater


Bereits 2003 bezeichnete der Boston Globe, eine der angesehensten Zeitungen der USA, Lyambiko als die vielversprechendste Jazz-Sängerin seit langer Zeit. Nun wird es auch Zeit, dass sie international den Durchbruch schafft. Lyambiko „Love Letters“ erscheint beim Major-Label Sony Music, bei dem die Sängerin seit 2005 unter Vertrag steht.

Jacques Ziegler
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