BIT - Feuilleton  
Joo Kraus

Locker vom Hocker

Hat er ein neues Genre besetzt, ein neues Fass aufgemacht oder sich einfach seiner überbordenden musikalischen Kreativität hingegeben? JooJazz heißt das neue Album dieses flexibelsten aller deutschen Jazz-Trompeter.

Er rappt und swingt, groovt und rockt immer mit einer ordentlichen Prise Jazz oder eben umgekehrt. Jazz meets Rock, HipHop oder Latin. Stilkreuzungen sind sein Stil. So auch auf dem neusten Album des Jazz-Sponti, dem in den 90er Jahren mit der Formation Tab Two der internationale Durchbruch gelang. Auch danach blieb Joo Kraus auf der Erfolgsspur. Herausragend dabei seine Bigband-, Kuba-/Latin- sowie „King of Pop“-Projekte. Eigenkompositionen treffen bei Joo Kraus immer auf außergewöhnliche Song-Interpretationen aus unterschiedlichsten Genres.

Zum 50. Geburtstag, den er am 22. November 2016 feierte, erschienen gleich zwei Alben: „Until Now“ eine Retrospektive seines bisherigen Schaffens, die auf nicht weniger als zwei CDs passte und eben dieses Werk mit dem Titel JooJazz. Damit passt er erst Recht in keine musikalische Schublade.

Im angerockten "Almost Porn", dem gesungenen Popjazz-Ohrwurm "If You Wanna Get Down", der südländisch-heißen Latin-Nummer "The Working Week", dem heftig swingenden "1815" und der traumversunkenen Ballade "In My Dream" überschreitet Kraus erneut sämtliche Stilgrenzen. Das Album enthält ausschließlich Eigenkompositionen, die auf Blitzeinfälle von Joo Kraus zurückgehen. Und ganz offensichtlich legte man bei der Produktion großen Wert auf diese Momente künstlerischer Schaffenskraft um den Charakter der Urinspiration zu bewahren. Mit Keyboarder Ralf Schmid, Bassist Veit Hübner und Drummer Torsten Krill hatte Joo Kraus Musiker um sich versammelt, mit denen er sich nach zwölf gemeinsamen Jahren quasi blind versteht. Die Vier bestritten in dieser Zeit jede Menge Konzerte und haben mit JooJazz nun ihr drittes Album in Quartettbesetzung eingespielt. Label: Künstlerhafen 2016.


Jacques Ziegler
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