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BIT 03-2017

Output-Zentrale und Document-Factory Titelinterview 36 | BIT 3–2017 etablierter Anbieter. Wir haben uns zwar mit der „letzten Meile der Formatierung“ über XSL-FO befasst – ein Kunde formatiert damit z. B. über eine Milliarde Seiten pro Jahr – uns aber im Wesentlichen aus den Themen Geschäftslogik und Dokumenten - komposition bisher herausgehalten. Als vor ein paar Jahren das Thema HTML5 und „responsive Webdesign“ aufkam, haben wir sehr genau beo - bachtet, was die einschlägigen Anbieter in diesem Bereich tun. Dabei sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass sie alle mit der Kompatibilität ihrer eigenen Lösungen zu kämpfen haben. Angespornt durch viele Kundenge - spräche haben wir uns letztlich entschlossen, eine Lösung zu entwickeln, die quasi mit der „Gunst der späten Geburt“ keine architektonischen Kompromisse machen muss. BIT Was genau ist nun das Neue an DocBridge Impress? Grumser Entscheidend ist, dass wir konsequent auf bestehende Standards wie HTML5, XML, XSLT, XPATH, CSS, XMP und Unicode aufsetzen und damit kein proprietäres Format nutzen. Wir lassen dem Kunden also die Hoheit über seine Daten. Er braucht keine Spezialfähigkeiten mehr, sondern selbst junge Kollegen, die diese Standards in ihrer Ausbildung gelernt haben, können sehr schnell produktiv werden. DocBridge Impress arbeitet hervorragend in skalierbaren transaktionalen Web-Services und SaaS-Umgebungen, kann aber auch nur, falls gewünscht, als Batch-Maschine aufgerufen werden. Mehr noch: Dank ihrer schlanken Architektur lässt sich die Lösung sogar vom Memory-Stick in Offline-Umgebungen für Außendienstanwendungen verwenden. Es versteht sich von selbst, dass der Vorlagen-Designer als reine Browser-Anwendung keine Installation mehr benötigt und die Trennung von Inhalt und Layout zum Prinzip macht. BIT Apropos: Die Trennung von Inhalt und Layout in der Dokumentenverarbeitung ist ja keine neue Forderung. Erste praxiserprobte Ansätze gibt es diesbezüglich. Grumser Mit dem Format, das DocBridge Impress zugrunde liegt und das wir Dokument File Format, kurz DFF, genannt haben, erstelle ich eine Dokumentenvorlage, die sowohl auf einem Smartphone, einem Notepad, einem 21-Zoll-Bildschirm als auch in Form einer DIN-A4-Seite funktioniert. Die erste Frage, die der Designer stellt, ist also nicht: „Wie groß ist das Papier?“. Es geht nicht immer ohne komplette Berücksichtigung des Aus - gabegerätes, aber wir haben uns mit der kanalunabhängigen Erstellung größte Mühe gegeben – wohl wissend, dass wir die Frage „Geht das wie in Word?“ nicht guten Gewissens mit „Ja“ be antworten können. BIT Anders gefragt: Welche Vorzüge bietet DocBridge Impress, die ähnliche multichannel-fähige Formatierungslösungen nicht haben? Grumser DocBridge Impress nutzt konsequent HTML5 als Basis. Damit ist das HTML bezüglich der Ausgabe keine Überraschung und kann von einem erfahrenen Anwender gänzlich beinflusst werden. Seitenbasierte Systeme dagegen produzieren Wundertüten, weil die HTML-Erzeugung viele Annahmen machen muss. BIT Mitunter werden Omni- und Multi-Channel als Synonyme verwendet in der Diskussion um die Kundenkommunikation des 21. Jahrhunderts. Wo liegen für Compart diesbezüglich die Unterschiede? Grumser Unter Multi-Channel ver - stehen wir Print, Fax, Archiv, E-Mail- Anhang, die alle auf seitenorientierten Formaten basieren, während Omni- Channel für uns Print, Web, E-Mail umfassen, die dann auch HTML5 als responsives Format einschließen. Der wichtigste Unterschied ist, dass wir bei Multi-Channel unter E-Mails die Sorte „Sehr geehrter Herr Müller, in der Anlage übersenden wir Ihnen unser Schreiben“ mit einem PDF-Anhang meinen, was für Handy-Nutzer ein Graus ist. Bei Omni-Channel verstehen wir unter E-Mails formatierte, responsive Dokumente, die auch auf einem Handy gelesen werden können. BIT Wie wird DocBridge Impress generell das Dokumentenmanagement in Unternehmen verändern? Grumser Wir rechnen damit, dass viele Kunden die Lösung zunächst nutzen werden, um taktische Probleme zu lösen – z. B. für die Erzeugung von E-Mails mit formatiertem Inhalt, die Bereitstellung von Informationen sowohl als HTML- als auch als PDF-Datei auf der Webseite oder das Erstellen von personalisierten PDF-Formularen. Mittelfristig glauben wir aber, dass DocBridge Impress als Architektur den Umstieg auf offene Standards katalysieren wird und damit hilft, viele spezielle Legacy-Lösungen er - setzen zu können. Unsere Vision ist es, mit DocBridge Impress in kleinen Schritten die letzte Migration zum Thema Dokumentenerstellung zu machen, weil offene Standrads wie HTML, CSS und XML sicher kein Hype sind, sondern die nächsten Dekaden bestehen werden. BIT Welche Zielgruppen adressiert Compart mit DocBridge Impress Grumser Wir wenden uns damit an alle Unternehmen mit einem hohen Dokumentenvolumen wie Banken, Versicherungen, Telekommunikationsanbieter und Energieversorger, in zunehmendem Maße aber auch Logistikdienstleister, die öffentliche Verwaltung und das Gesundheitswesen – Branchen mit hohen Wachstumsraten. Darüber hinaus kooperieren wir verstärkt mit Herstellern von Branchenlösungen für diese Bereiche. BIT Vielen Dank für das informative Gespräch, Herr Grumser. (www.compart.com/de/docbridge-impress) „Unter Multi- Channel verstehen wir Print, Fax, Archiv, E-Mail-Anhang, die alle auf seitenorientierten Formaten basieren, während Omni- Channel für uns Print, Web, E-Mail umfassen, die dann auch HTML5 als respon sives Format einschließen.“ „Seitenbasierte Systeme produzieren Wundertüten, weil die HTMLErzeugung viele Annahmen machen muss.“ „Es geht darum, die Daten best - möglich zu strukturieren und die Ausgabevorlagen zu beschreiben und nicht zu malen.“


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