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BIT 06-2016

BIT 6–2016 | 45 wie Digitalisierung, Internet der Dinge, künstliche Intelligenz, Automatisierung und andere. Das, was die DMSund ECM-Anbieter im Portfolio hatten, ist bei diesen Themen nur ein nachgeordneter Schauplatz von Infrastruktur, der von den neuen Lösungen genutzt wird, aber selbst nicht mehr im Fokus steht. Da helfen auch keine alten und neuen Akronyme. Es ist daher müßig darüber zu philosophieren, ob sich EIM und Enterprise-Informationen- Management als Branchen-Identifikation und Sammelbezeichnung für einen definierten Funktionsumfang durchsetzt. Die Trends werden woanders gemacht und ECM/EIM/DMS greifen eigentlich nur noch Entwicklungen auf, nutzen oder intergieren diese. Eigenständige Innovation ist angesichts der – positiven – Maturität der ECM/EIM/ DMS-Lösungen nicht zu sehen. BIT Gehen mit dem Blick auf Informations-Management auch neue praxisrelevante Lösungen, neue technologische Konzepte oder neue organisatorische Betrachtungen einher? Dr. Kampffmeyer In dem Maße wie Enterprise-Content-Management zur notwendigen Infrastruktur geworden ist, wird das Thema Lösungen sowohl für Anbieter als auch natürlich für die Anwender immer wichtiger. Viele der bekannten mittelständischen Hersteller bauen auf Basis ihrer Produkte solche Anwendungslösungen, die konkrete Geschäftsprobleme lösen. Welches „ECM“-Produkt dabei im „Untergrund“ genutzt wird, spielt eine nachgeordnete Rolle. Entscheidender ist die tiefe Integration in die gesamte Anwendungslandschaft, wo andere Systeme wie ERP, CRM, PLM und Fachanwendungen den Ton angeben. Vielfach bleibt dann auf der Anwendungsoberfläche nur ein Postkorbsystem oder eine elektronische Akte sichtbar. Für die Entscheider auf Anwenderseite stellt sich dann häufig die Frage: Nutzt man ECM als Basis für Fachanwendungen oder ergänzt man Fachanwendungssysteme nur um dokumentenorientierte Funktionsbausteine? Letzteres setzt sich durch, da auch mit anderen Standard-Geschäftsanwendungen immer mehr dokumentenorientierte Funktionalität ausgeliefert wird – vom Archiv über den die Dokumentanzeige bis zum Workflow. Dieser Druck wird noch durch zwei andere Trends verstärkt. Zum einen geht der Trend zu immer mehr strukturierten Daten, weg vom gescannten oder Office-Dokument. Dies wird besonders durch den Einsatz mobiler Geräte vorangetrieben. Man denkt, man sieht ein Dokument, aber es sind nur Daten in einem Layout, die zu scheinen, als seien sie ein klassisches Dokument. Daten haben weniger Volumen, lassen sich einfacher verarbeiten und kontrollieren sowie in einer mobilen Umgebung deutlich einfacher präsentieren. Daher auch die Erweiterung von Enterprise-Content- Management zu Enterprise-Information Management sinnvoll, da hier die nicht mehr praktikable Unterscheidung in strukturierte Daten und unstrukturierte Dokumente aufgehoben wird. Der zweite Ansatz der den traditionellen Anbietern Druck macht ist die Cloud. Hier ist natürlich zu unterscheiden zwischen SaaS-Angeboten, wo ich eine vorkonfigurierte Standard-Lösungen in der Public Cloud für Archivierung, Collaboration oder anderes nutze. Natürlich kann man auch traditionelle ECM-Lösungen, wie schon seit langem im Outsourcing, in einer private Cloud nutzen, jedoch machen Perfomance, Sicherheit, Leitungs - kapazität bei Nutzung herkömmlicher ECM-Software in einer Private Cloud als PaaS oder IaaS häufig Probleme bei Architektur und Integration. Die ECM-Anbieter haben sich auch in die Cloud bewegt, treffen hier aber auf Wettbewerber aus ganz anderen Bereichen, die sich weder dem alten ECM-Konzept noch einer neuen EIM-Vision zugehörig fühlen. Jedoch werden die Strategien und Methoden, die ECM wie auch EIM auszeichnen, mehr denn je benötigt, denn um die Verwaltung oder gar langjährige Verfügbarhaltung von Information kümmern sich die wenigsten „Newcomer“. Verwaltung und Beherrschung – Information Governance – der Information sind essenziell. Egal ob man Big Data, IoT, Digital Transformation, Artificial Intelligence, Wissens-Management oder was auch immer als Leitmotto verwendet. So gesehen haben ECMwie auch DMS- wie auch EIM-Komponenten eine Zukunft – allerdings nur im Untergrund, der Infrastruktur, als Dienste. Löst man sich aber vom technologischen oder funktionalen Blick auf die Akronyme und Kategorien, dann wird die eigentliche Bedeutung von Informations-Management sichtbar. Nur wenn man alle Information im Blick hat, kann man unterscheiden und entscheiden, was einen Wert hat, um im ECM, im Archiv oder Records- Management geordnet verwaltet zu werden. Dieser Wert von Information definiert den Umgang mit Information und damit auch die organisatorischen und technischen Mittel. Information- Management bietet hier den organisatorischen Rahmen, weniger einen technologischen Ansatz. Was man zur Verwaltung von Information braucht ist weitgehend matur. Bei Nutzung und Erschließung spielt die Musik, die aber durch andere Software und andere Nutzungsmodelle bestimmt wird. Information-Management hat, ebenso wie Digital Transformation, nicht in erster Linie mit Technologie zu tun. BIT Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Kampffmeyer. (www.project-consult.de) „So gesehen haben ECM- wie auch DMS- wie auch EIM-Komponenten eine Zukunft – allerdings nur im Untergrund, der Infrastruktur, als Dienste.“ „Akronyme interessieren Entscheider in Anwenderunternehmen kaum und schon gar nicht die Akronyme der Vergangenheit.“ „Der Trend geht zu immer mehr strukturierten Daten, weg vom gescannten oder Office-Dokument.“ „Es geht heute darum, alle Arten von Information erschließbar und verwaltbar zu machen.“


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