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BIT 06-2016

Geschäftsprozesse Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer Project Consult Unternehmens - beratung: „Es gibt keine geschlossene Dokumenten - Management- oder Enterprise-Content- Management- Branche mehr.“ 44 | BIT 6–2016 ECM vs. EIM Interview mit Dr. Ulrich Kampffmeyer zum Thema EIM Information-Management Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der Project Consult Unternehmensberatung in Hamburg, beschäftigt sich mit dem Thema Informationsmanagement seit über 35 Jahren. Von ihm stammen Definitionen wie revisionssichere Archivierung und Enterprise-Content-Management. Er selbst propagiert seit einigen Jahren die Weiterentwicklung über EIM zum Information-Management. Im Interview mit BIT erläutert er seinen Standpunkt zu diesem kontrovers diskutierten Thema. BIT Herr Dr. Kampffmeyer, EIM – Enterprise-Information-Management – spaltet nach wie vor die Branche. Sehen Sie in EIM einen marktrelevanten Trend? Dr. Ulrich Kampffmeyer Zum einen gibt es keine geschlossene Dokumenten Management- oder Enterprise- Content-Management-Branche mehr: traditionelle Anbieter haben sich in angrenzende Anwendungsgebiete bewegt, neue Anbieter mit anderen Ansätzen sind in den Markt gekommen und unter dem Etikett ECM oder DMS finden sich nur noch wenige Hersteller. Ähnlich sieht es mit dem Begriff EIM (Enterprise-Information- Management) aus. Einige ECM-Anbieter und Verbände haben sich inzwischen hier positioniert, aber durchgesetzt hat sich die weitergefasste Definition eines Portfolios von Lösungen für Management und Erschließung bisher nicht. Dies liegt auch daran, dass es für Enterprise Information-Management keine allgemein anerkannte Definition gibt. Dies war bei Enterprise-Content- Management anders. Definition, funktionaler Umfang und Anspruch an Lösungen blieben nahezu 15 Jahre stabil. Bei Enterprise-Information- Management sind sehr unterschied - liche Interpretationen sichtbar: von der Weiterentwicklung aus Enterprise- Content-Management heraus, wie wir dies sehen, aber auch komplett losgelöste Ansätze wie z. B. bei Gartner. Anbieter, die immer schon mehr als den traditionellen Kanon von Funktionen und Modulen abdeckten – z. B. SAP, Opentext und andere – fühlen sich mit dem Begriffsbestand -teil „Information“ wohler als mit „Content“. Letzterer Begriff wird vielfach nur im Zusammenhang mit Web Content, also WCM, gesehen, was deutlich zu eng ist und überhaupt nicht passt. „Information“ ist dagegen generalistischer um umfasst auch Arten von Information, die bisher im Dokumenten Management und ECM vernachlässigt wurden. Es geht heute darum, alle Arten von Information erschließbar und verwaltbar zu machen. BIT Hat die Bezeichnung EIM Chancen, sich nachhaltig zu etablieren bzw. ist dies bereits geschehen? Überfordern die zahlreichen Branchen-Akronyme nicht bereits die Anwenderunternehmen? Dr. Kampffmeyer Wie bereits ansatzweise oben ausgeführt hat sich EIM noch nicht etabliert, zumindest nicht bei denjenigen Anbietern und Analysten, die bisher dem Bereich Enterprise-Content-Management zu - geneigt waren. In Deutschland hat sich der Verband „Voice of Information“ für Enterprise-Information-Management als neues Leitmotto entschieden. Auch deutsche Integratoren wie Cenit oder The Quality Grouo sehen sich als Anbieter von umfassendem Enterprise-Information-Management. Es ist also „Bewegung“ im Markt, aber keine gemeinsame Positionierung aller Anbieter die eigentlich dazugehören müssten. Der Markt ist regelrecht zerfleddert und die gemeinsamen Ziele, ein gemeinsames „Banner“ unter dem sich alle versammeln, sehe ich nicht. Auch ist der Begriffsbestandteil „Enterprise“ unter Druck, da viele Informationen des Unternehmens oder für das Unternehmen sich inzwischen außerhalb der Grenzen des Unternehmens befinden, jedoch auch „gemanagt“ werden müssen. Hier ist an Social Media, Partner-Portale, Supply-Chain und anderes zu denken. Wir sprechen daher lieber gleich von Informations- Management. Ihre Frage nach den Akronymen kann ich mit einem Lächeln beantworten – Akronyme interessieren Entscheider in Anwenderunternehmen kaum und schon gar nicht die Akronyme der Vergangenheit wie BPM, ECM, DMS usw. Andere Schlagworte sind in den letzten Jahren in den Fokus gerückt. Aber auch Cloud, Analytics und Mobile sind heute schon Selbstverständlichkeiten und keine Trends mehr. Die Schlagzeilen von Publikationen, Veranstaltungen, Trendberichten etc. bestimmen heute Themen „Es ist ,Bewegung’ im Markt, aber keine gemeinsame Positionierung aller Anbieter, die eigentlich dazu gehören.“ „Bei Enterprise- Information- Management sind sehr unterschied - liche Interpreta - tionen sichtbar.“


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