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BIT 06-2016

BIT 6–2016 | 41 geschäftskritische Informationen ver - arbeitet werden. Welchen Nutzen hat dann der Begriff wenn er eigentlich fast alles erfasst? Definitiv wäre der DMS/ECM-Markt die kleine, kaum noch wahrnehmbare Nische in diesem großen Bild. Warum also sollte sich ein DMS/ECM-Anbieter diese Abkürzung zu eigen machen? Damit er nicht mehr erkennbar ist mit seinen besonderen Fähigkeiten? Neue Anforderungen & Konzepte: Nein. Es ist erstmal nur ein neuer Sammelbegriff für bereits vorhandene Technologien. Mir ist bisher nicht erklärt worden, warum wir den Begriff benötigen, welche Probleme er löst und wie er die Lernkurve der Anwender verkürzt. (www.zoeller.de) Dr. Dietmar Weiß, DWB Klare Positionierung notwendig EIM als Markttrend: Ich sehe zunächst einmal, dass viele Gespräche und Anfragen mit der Abkürzung ECM geführt werden statt mit EIM. Es handelt sich hierbei häufig um die Kern - themen von ECM wie Dokumenten - bearbeitung, -ablage, -automatisierung, Scannen, Eingangsrechnungsbearbeitung, Aktenabbildung. Bei Anwendern mit längerer ECM-Nutzung werden auch Themen wie Auswertung von bestimmten Dokumenten, Ablage und Abrufen von Reports über die Meta - daten genannt. Das heißt zweierlei: Erstens, Anwender denken durchaus in Systemkategorien und zweitens, die Erweiterung in Richtung EIM gibt es seitens der Anwender in vielfältiger Form, der Begriff EIM wird aber nicht verwendet. Folglich sind Trends erkennbar, die rund um das Thema ECM weitere Themen entwickeln, die auch von EIM als Bestandteil bezeichnet werden. Diese Trends haben viele Treiber, teilweise sind sie technologisch getrieben oder auch bedingt durch Vorgaben. Industrie 4.0 sei an dieser Stelle explizit als Treiber genannt. Akronym: Damit eine Bezeichnung sich nachhaltig etabliert, ist ein klares Bild und eine klare Positionierung notwendig sowie eine Adaption vieler Marktteilnehmer. Ansonsten könnte ein Satz gelten, der in einem Gespräch mal gefallen ist: „Wir machen hier alle Enterprise-Information-Management, inklusive der Poststelle und der Boten“. Bei ECM gibt es dieses klare Bild und Verständnis und es stellt sich als die Fortentwicklung des Dokumenten- Managements dar. Die Abgrenzung und Erweiterung zu ECM ist also notwendig, um EIM flächendeckend zu verbreiten. Da es zur Zeit viele Entwicklungen gibt, die vom Megatrend Internetkultur und Digitalisierung überlagert werden, ist die Möglichkeit für neue Begriffe durchaus gegeben. Ob es EIM in Deutschland sein wird ist aus meiner Sicht nicht sicher. Betrachtet man die Literatur in Deutschland, dann gibt es sehr viele, umfangreiche Beiträge zum Thema Informa - tions-Management. Informations- Management beschreibt die Informa - tionsverarbeitung hinsichtlich funktioneller, institutioneller und instrumenteller Sichten sehr vielfältig und besitzt breite Akzeptanz. Die Abgrenzung zu EIM in diese Richtung sehe ich (noch) nicht. ECM hingegen hat dort seinen Platz durchaus gefunden. Deswegen erkenne ich auch nicht, dass sich EIM außerhalb der Expertenwelt etabliert hat. Neue Anforderungen & Konzepte: Selbstverständlich, weit über das hinaus, was Information-Management bisher ist. Dazu zwei Beispiele: 1.) Wenn ich mit einem Telefon jemanden fotografiere und über einen Bild - abgleich in sozialen Netzwerken werden mir zu dieser Person Informationen zusammengestellt, dann zeigt das die Fähigkeit von vernetzten Diensten. Wenn man also ad-hoc zu einer unbekannten Person aussagefähige Informationen erhält, wird es auch möglich sein, zu unbekannten Dokumenten oder Informationsobjekten Auswertun- gen oder Verarbeitungsregeln zu beziehen. Der Anwender benötigt nicht mehr von „seinem Software-Anbieter“ ein Modul, sondern er besorgt sich den Dienst irgendwo und greift dabei auf die Erfahrungen anderer zurück. Dazu ein Beispiel: Wenn Sie über eine Online Beschaffungsplattform Schrauben oder Ordner bestellen, dann sammelt der Betreiber diese Daten und kann sie für neue Dienste verwenden. Was kann er damit machen? Er bietet z. B. an, Ihre Einkaufspreise zu optimieren, weil er weiß, wie und wo andere in Ihrer Branche bestellen, oder er bietet Ihnen andere als die bisherigen Lieferanten an, die hinsichtlich Preis oder Qualität besser bewertet werden. „Dienste für Daten“ – so lautet das Geschäftsmodell, das auch in den Business-Bereich sich ausbreiten will. 2) Folgendes Beispiel hat ein bewusst breites Verständnis von Information Management: Immer mehr Teile erhalten bekanntlich „Intelligenz“, wie z. B. eine Wasserwaage, die eine Digitalanzeige und Positionierungslaser enthält. Aber nicht nur Dinge werden „Intelligenz“ erhalten, auch die Menschen werden sich optimieren. Prominentes Beispiel sind Hörgeräte, die bisher nur eine Hörschwäche kompensieren sollen. Künftig werden sie das Hören revolutionieren, weil eine biometrische Schnittstelle die Teile austauschbar macht und Telefongespräche geführt werden können, ohne dass man Kopfhörer oder Lautsprecher benötigt. Diese Entwicklungen im Informations- Management gehen weit über technologische Konzepte oder neue organisatorische Betrachtungen hinaus. Aber eines wird bleiben: Archivieren wird man auch künftig. (www.dr-weiss.com) Dr. Dietmar Weiß, DWB Dr. Dietmar Weiß Beratung: „Die Abgrenzung und Erweiterung zu ECM ist not - wendig, um EIM flächendeckend zu verbreiten.“


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