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BIT 06-2016

Geschäftsprozesse 40 | BIT 6–2016 ECM vs. EIM Prof. Dr.-Ing. Hartmut F. Binner, Vorsitzender des Vorstands der Gesellschaft für Organisation e.V. (GFO): „EIM kann zu einem ganzheitlichen und durchgängigen Ansatz für die strukturierte Verwaltung und Organisation von Informationen im Unternehmen werden.“ Prof. Dr.-Ing. Hartmut F. Binner, GFO Prozessbezogen etabliert EIM als Markttrend: Die neuen Informationstechnologien wie Cloud- Computing, Social Business, Enterprise Mobility oder Big Data bewirken, dass die bisher ausgeprägten funktionsorientierten IT-Applikationen mit den bekannten Schwachstellen wie z. B. Medienbrüche oder doppelte Datenpflege bei der jetzt aktuellen Prozessdigitalisierung der horizontalen Wertschöpfungskette miteinander verknüpft werden. Hierbei wird auch die ganzheitliche Gestaltung der Geschäftsprozesse zusammen mit einer Kulturveränderung von der funktions- zur prozess - orientierten Organisation immer wichtiger. Eine integrierte Betrachtung von Organisation, Technik und Mensch ist notwendig. Dies wird sich beispielsweise auch auf die IT-Fachzeitschriften auswirken, die sich bisher in der Regel auf einen spezifischen IT-Themen-Applikations- Schwerpunkt konzentriert haben und jetzt immer mehr auf diesen ganzhei - tlichen IT-Ansatz Bezug nehmen müssen, für den die Bezeichnung „Enterprise-Information-Management (EIM)“ durchaus passen könnte. Akronym: Nach Wikipedia handelt es sich bei EIM um die prozessorientierte Weiterentwicklung von Enterprise- Content-Management (ECM) – oder Dokumenten-Management-Systeme (DMS), die eine ganze Anzahl von bisherigen Einzellösungen wie z. B. Content-Management, Dokumenten- Management, Aktenverwaltungs- Management, Vorgangsverwaltung, Terminverwaltung, Compliance- Management, Workflow- oder Risiko- Management integrieren. In Bezug auf diese Inhalte hat sich die Bezeichnung EIM aus übergeordneter IT-Sicht bereits prozessbezogen etabliert. Neue Anforderungen und Konzepte: Voraussetzung für eine Digitalisierung der horizontalen Wertschöpfungskette ist eine Abbildung des End-to-end-Prozesses mit prozessorientierten Strukturen und Verantwortlichkeiten. Dieses Konzept wird von der gfo als Organisation 4.0- Ansatz bezeichnet. Wenn sich jetzt der EIM-Begriff inhaltlich noch erweitert auf die Aufnahme der digitalisierten Abbildungen der Geschäftsprozesse mithilfe von BPM-Tools, den digitalisierten Methoden-Tool-Einsatz, der Einbindung der klassischen ERP/PPSPlanungs und Steuerungssysteme in Bezug auf die Kundenauftragsabwicklung mit den dazugehörenden Material und Zeitwirtschaftsfunktionali - täten, kann Enterprise-Information- Management zu einem ganzheitlichen und durchgängigen Ansatz für die strukturierte Verwaltung und Organisation von Informationen im Unternehmen werden. (www.gfo-web.de) Bernhard Zöller, Zöller & Partner Nur ein neuer Sammelbegriff EIM als Markttrend: EIM wird seit einigen Jahren in der ECM-Branche als erweiterte Marktdefinition kontrovers diskutiert. Danach umfasst EIM nicht nur Dokumenten-Management, sondern auch alle anderen Anwendungssysteme, in denen geschäftsrelevante Informationen vorgehalten werden, wie z. B. ERP oder CRM. Unsere Meinung: Damit steht EIM als Begriff eine Abstraktionsebene oberhalb von DMS oder ECM. Es gibt aber sicherlich Anwender und Anbieter, denen eine auf DMS, Akte, Archivierung oder andere ECM-Einsatzfelder fokussierte Begrifflichkeit zu eng ist. Wer sich als Anwender aber zu konkreten Archi - vierungs-, DMS- und ECM-Themen orientieren möchte, für den sehen sind diese sehr generischen Akronyme eher Barriere als Orientierung. Wir suchen ja auch kein „Fahrzeug“ wenn wir einen LKW benötigen, weil sich unter „Fahrzeug“ alle möglichen Lösungen anbieten. Ich habe also kein Problem mit solchen generischen Bezeichnungen per se, sondern damit, dass der Begriff EIM die viel konkreteren Begriffe des ECM-Marktes ablösen soll, weil diese angeblich verwirren. Ja, sie sind verwirrend, aber das Problem löse ich nicht, indem ich alles mit einem einzigen neuen Begriff belege, der keinerlei Orientierung mehr bietet, außer dass es irgendwas mit Informationen zu tun hat. Akronym: Nach unserer Wahrnehmung waren die Anwender bereits mit den bisher verwendeten Begriffen wie Archivierung, Workflow, DMS, ECM überfordert, weil diese bereits häufig von Anbietern oder Beratern unterschiedlich interpretiert wurden. Verwendet man aber einen neuen Begriff, der nichts konkretisiert, sondern versucht, sogar noch weitere Anwendungsfacetten in einem einzigen Begriff unterzubringen, ist das eher eine Erschwernis für Anwender, die sich zu bereits konkretisierten Themen informieren wollen. Wenn alles „EIM“ ist, unabhängig davon ob es unter der Haube ERP, Archiv, Warehouse oder Enterprise ist, dann verlängert sich die Lernkurve für den Anwender. Die Gretchenfrage an die Verbreiter der EIM-Begrifflichkeiten ist doch: gehört ERP dazu oder nicht dazu? Was ist mit CRM? Was ist CAD/CAM? Was ist mit Produktionssteuerungsverfahren? Wir haben wahrscheinlich alle Konsens, dass in all diesen System „Enterprise-Information“ verwaltet wird. Dann wäre aber EIM nichts anderes als ein Synonym für die gesamte IT-Anwendungslandschaft, wo Bernhard Zöller, Geschäftsführer Zöller & Partner GmbH und stell - vertretender Vorstandsvorsitzender des ECM Geschäftsbereichs im Bitkom: „Nach unserer Wahrnehmung waren die Anwender bereits mit den bisher verwendeten Begriffen überfordert.“


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