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BIT 06-2016

Dr. Martin Böhn, Head of ECM, BARC GmbH: „Die Vielfalt der Begriffe trägt sehr zur Verwirrung der Anwender bei und hemmt damit die Projekte.“ BIT 6–2016 | 39 Dr. Martin Böhn, BARC Verwirrt und verärgert EIM als Markttrend: Die Grundidee ist richtig: Zusammenführung aller relevanter Informationen (also Verbindung von Dokumenten zu Datenbeständen in Fachsystemen) und Unterstützung der Bearbeitung (Prozesse und Collaboration). Damit profitiert die Branche auch von übergreifenden Themen wie Big Data (wenn es umfassend verstanden wird) und Digitaler Transformation. Ob es allerdings er - forderlich war, einen neuen Begriff zu prägen, darf getrost bezweifelt werden. Gute, nutzungsorientierte und um - fassende Ansätze gab es auch schon vorher – und viele Kunden haben ihre ECM-Projekte auch genau hierfür ausgelegt. Statt über Abkürzungen sollte man wieder über konkrete Anwendungsfelder sprechen. Durch die Verbindung von intelligenten Erfassungsund Verwaltungsfunktionen mit einer bedarfsgerechten Unterstützung der Vorgangsbearbeitung sind hier enorme Potenziale vorhanden. Akronym: Der Begriff wird sich in vielen Anwenderunternehmen nicht durchsetzen. Wir sehen immer noch viele DMS-Projekte (auch mit umfassendem Fokus, nicht nur Ablage und Verwaltung). Für ECM gab es wenigstens noch eine breite Basis an Fürsprechern. EIM hat es nur bei wenigen Anbietern und Kunden auf die Agenda geschafft. Allerdings trägt die Vielfalt der Begriffe sehr zur Verwirrung der Anwender bei und hemmt damit die Projekte. Neue Anforderungen & Konzepte: In den meisten Fällen sind es eher Weiterentwicklungen, keine revolutionären Neuerungen. Mobile Clients müssen den Erfordernissen der Anwender entsprechen und die Techno - logie nutzen – gute Lösungen sind aber schon seit Jahren vorhanden. Cloud verändert das Hosting (was schon seit Jahren gemacht wird) und die Betriebsmodelle (wobei es nur wenige Software-as-a-Service-Angebote gibt). Social ist ein weiterer Kanal, der in die Informations- und Prozesswelt integriert werden muss. Case-Management als intelligente Verbindung von strukturierten Prozessen und unstrukturierter Zusammenarbeit wird ebenfalls seit Jahren diskutiert. Ebenso ist die Verbindung von Fachsystemen und Dokumenten seit jeher ein Basisbestandteil der Projekte. All diese Dinge kamen nicht erst mit EIM auf oder sind darauf zurückzuführen. Genau das verwirrt (und verärgert) auch die Anwender. Es wird ein neuer Begriff geschaffen, dem aber keine wesentlichen neuen Funktionen, Anwendungsbereiche oder Konzepte gegenüber - stehen. Welchen Grund hätten die Entscheider also, auf einen neuen Begriff zu setzen, welchen sie allen anderen Beteiligten erst erklären müssten? (www.barc.de) Peter J. Schmerler, Geschäftsführer des VOI: „Unsere Energie sollte in zukunftweisende Konzepte und Lösungen fließen und nicht in eine Diskussion um Akronyme.“ EIM als Markttrend / Akronym: Der rasante technologische Fortschritt führt heute zu immer mehr intelligenter Funktionalität bei elektronischen Geräten und softwaregestützten Systemen. Wenn wirkliche Innovationen den Leistungsumfang neu definieren, entstehen neue Produktklassen. Smart - phones haben so längst Handys abgelöst. Ein Smartphone ist natürlich auch ein Handy, aber darüber hinaus eben noch viel mehr. Telefonieren deckt inzwischen nur noch einen kleinen Teil des Funktionsumfangs ab. Smart - phones eröffneten den Nutzern auch erstmalig den persönlichen Zugang zu neuen Welten in der Kommunikation. Es verwundert deshalb auch nicht, dass Hersteller in diesem Zusammenhang nicht mehr von Handys sprechen wollten. Der Name Smartphone steht für eine neue Produktklasse, die sich vom Bisherigen abhebt. Dennoch nutzen viele Kunden immer noch den Namen Handy. Man hat sich daran gewöhnt. Bei näherer Betrachtung ist das vielleicht auch nicht weiter schlimm, schließlich weiß inzwischen jeder, dass er mit seinem Gerät bei Bedarf viel mehr als telefonieren kann. Handys und Archivierungssysteme haben etwas gemeinsam. Beide kamen Ende der 1980er Jahre auf den Markt. Bald sprach man von Dokumenten- Management-Systemen und man tut es wie beim Handy heute immer noch. Mit der Marktverbreitung der Systeme kamen neue technische und organisatorische Herausforderungen dazu. Es dauerte aber noch bis zum Jahr 2001, bis die Branche die zukünftigen Anforderungen an Dokumente und Content Peter Schmerler, VOI Vision längst erfüllt umfassende Systeme definierte und die darauf hervorgegangene Vision unter dem Namen ECM zusammenfasste. Gut zehn Jahre später erkannte man, dass sich die Vision längst erfüllt hatte. Mit ihrem Anspruch, bisher unterschiedliche Disziplinen der Business-IT und verschiedene Informationsobjekte zu integrieren, sprengten Systeme die Grenzen von ECM. Eine neue Produktklasse, viel mehr eine weiterführende Vision war entstanden. International etablierte sich in diesem Zusammenhang der Name Enterprise- Information-Management. Ähnlich wie beim Smartphone kommen aber noch wichtige Qualitäten zu EIM dazu. Basierend auf den Erfahrungen aus einer Vielzahl von Projekten erkennen immer mehr Anbieter die Notwendigkeit, zukünftige Systeme stärker an den Bedürfnissen der Menschen aus - zurichten und diesen ein qualitativ hochwertiges Nutzererlebnis zu ermöglichen. (www.voi.de)


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