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BIT 06-2016

BIT 6–2016 | 23 Zukunftsorientierte Arbeitsplatzkonzepte: Die Arbeitsplätze in unseren Unternehmen verändern sich in der nächsten Zukunft schnell und radikal. Einerseits werden technische Systeme immer vernetzter und intelligenter, können selbst Entscheidungen treffen und autonom Arbeit verrichten: Beispiele dafür sind in der Fabrik- Roboter, die schwere Arbeiten erle - digen, in der Logistik fahrerlose Transportsysteme und Drohnen, die Pakete und Materialien zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle bringen und in den Büros Algorithmen und Softwaresysteme, die standardisierte Prozesse schnell und zuverlässig nach einem vorgegebenen Muster abarbeiten können. Auf der Grundlage von Sensordaten können technische Systeme standardisierte und sich wiederholende Vorgänge immer besser selbst erledigen und in einer neuen Art mit Menschen zusammenarbeiten, quasi Hand-in-Hand. Man könnte also sagen: die „alte“ Arbeit wird zunehmend automatisiert und rationalisiert, Arbeitsplätze für Sachbearbeitung werden immer weniger. Dagegen wächst der Anteil an höherwertigen Arbeitsplätzen, also Kreativarbeit, Interaktionsarbeit und vor allem Innovationsarbeit. Vorteile: Mit der Modernisierung der Arbeitsplätze verfolgen die Unternehmen das Ziel, sich im globalen Wett - bewerb weiter gut aufzustellen und zu behaupten. Wir müssen zukünftig in kürzerer Zeit mehr neue Ideen für weltmartktfähige Produkte und Dienstleistungen entwickeln und umsetzen. Dafür brauchen wir viel mehr Kreativität und „Out-of-the-box“-Denken der Beschäftigten, mehr Zusammenarbeit mit anderen, mit Start-ups oder mit ITund Datenspezialisten. Unternehmen müssen nach den besten Köpfen suchen und benötigen viele gut quali - fizierte junge Menschen – gerade auch aus den MINT-Berufen. Um für diese Zielgruppen attraktiv zu sein, muss man beste Arbeitsplätze mit modernster Ausstattung und Technik zur Ver - fügung stellen. Flexibilität: Nein, das glaube ich nicht, im Gegenteil. Natürlich ist es so, dass durch mobile Geräte ein Arbeiten an jedem Ort, zu jeder Zeit und mit wem man möchte möglich ist. Das hilft den Beschäftigten Privates und Beruf besser zu vereinbaren und für die Unternehmen entsteht eine flexiblere Arbeitnehmerschaft, die die Anforderungen aus volatiler Nachfrage, dem Kundenverhalten und der zunehmenden Komplexität von Prozessen besser befriedigen helfen. Aber es wird nicht so werden, dass Menschen nur noch mobil und von zuhause aus arbeiten werden. Das dynamische Innovationsgeschehen führt gleichzeitig dazu, dass es gute Gründe gibt, sich zu treffen, um gemeinsam an neuen Ideen in Makerspaces oder beispielsweise in der Nutzung von Methoden des Design- Thinking zu arbeiten. Das Bürogebäude wird also eher zum Meeting- und Interaktionsort als zum Ort, wo Menschen an ihrem Notebook ihre Mails bear - beiten oder das ERP-System nutzen. Das kann man auch von zuhause mit einem mobilen Gerät erledigen. Revolution und Work-Life-Balance: Ja, wir sprechen ja jetzt häufig von der Industrie 4.0 oder von Arbeiten 4.0 als der vierten industriellen Revolution. Und es ist in der Tat so, dass die Veränderungen in einem rasanten Tempo vonstattengehen. Insofern kann man schon von einer Revolution sprechen, wenngleich diese Entwicklung schon Schritt für Schritt, also evolutionär voranschreitet. Am Ende sind es ja nicht die Maschinen, die diese Entwicklung vorantreiben, sondern die Menschen selbst. Insofern wird alles, was sich verändert so verändern, wie wir Menschen es gestalten. Die Zukunft der Arbeit kommt nicht einfach über uns, sondern wir können und müssen diese selbst gestalten. Dies bedarf in den Unternehmen einer Zusammenarbeit aller: Von Management, Beschäftigten und deren Vertretern. Wenn wir es richtig machen, dann führen diese Entwicklungen zu einer besseren Work- Life-Balance. Die Technologie ist nur der Enabler dieser Entwicklungen. (www.iao.fraunhofer.de) Prof. Dr. Wilhelm Bauer, Fraunhofer IAO Zunehmende Automatisierung Prof. Dr.-Ing. Prof. e.h. Wilhelm Bauer, Geschäftsführender Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO: „Mit der Modernisierung der Arbeitsplätze verfolgen die Unternehmen das Ziel, sich im globalen Wett - bewerb weiter gut aufzustellen und zu behaupten.“ Simon Seebass, Personalleiter für Deutschland und Österreich, HP Deutschland GmbH: „Die Modernisierung der Arbeitsplätze ist keine Option – sie ist ein Muss.“ Simon Seebass, HP Deutschland Treiber für Veränderungen Zukunftsorientierte Arbeitsplatzkonzepte: Die fortschreitende Digitalisierung ist auch am Arbeitsplatz ein wesentlicher Treiber für Veränderungen. Richtig eingesetzt können neue Technologien Mitarbeiter darin unterstützen, effizient und flexibel über verschiedene Standorte hinweg zu - sammen zu arbeiten. Doch viel entscheidender als die technologischen Möglichkeiten sind die veränderten Anforderungen an das Profil der Mit - arbeiter. Sie müssen viel eigenverantwortlicher arbeiten als bisher. Dazu gehört nicht nur die eigene Zeiteinteilung sondern vor allem teamorientiertes Verhalten gegenüber Kollegen und die Fähigkeit sich selbst zu motivieren. Vorteile: Die Modernisierung der Arbeitsplätze ist keine Option – sie ist ein Muss. In Zeiten in denen qualifizierte Fachkräfte zunehmend zu einer begrenzenden Ressource werden gilt es, als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Moderne Arbeitsumgebungen und flexible – auf die jeweilige Lebenssituation angepasste – Arbeitszeitmodelle werden zunehmend zu einem Entscheidungsfaktor bei der Wahl des


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