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BIT 05-2016

rung liegt nun in der Analyse dieser großen Menge, um das in ihr enthaltene Wissen zu filtern – und vor allem für einzelne Arbeitsprozesse und somit wirtschaftlich nutzbar zu machen. EIM ist das technische Werkzeug, mit dem Big Data zu Smart Data wird, denn es werden alle Informationssorten ausgewertet. Um dauerhaft am Markt bestehen zu können, sollte sich das in Dokumenten und Daten enthaltene Wissen in Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen widerspiegeln. Somit können sie dem Bedarf der Kunden entsprechend ausgerichtet werden – ein eindeutiger Wettbewerbsvorteil. BIT Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das Thema Plattformen bzw. „Plattformisierung“ – auch in Bezug auf die Anpassung bestehender Geschäftsmodelle an den digitalen Wandel? Bischoff Informationen sind auch deswegen zur wichtigsten Handelsware geworden, da ihr Austausch durch digitale Plattformen maßgeblich beschleunigt und vereinfacht wird. Das Thema Plattformisierung wird somit definitiv immer wichtiger und auch in Zukunft sicherlich noch stärker am Markt präsent sein. Bereits seit längerer Zeit ist zu beobachten, dass ein großer Teil der weltweit erfolgreichsten Unternehmen mit einem digitalen Plattform-Modell arbeitet. So erleichtert und fördert z. B. Ebay als Betreiber eines produktorientierten Marktplatzes den einfachen Austausch zwischen Verkäufer und Käufer: Der Endverbraucher kann zwischen zahlreichen Angeboten vergleichen und das für sich passende Produkt online bestellen. Das Prinzip der Plattformisierung nutzen inzwischen aber auch Dienstleister wie Steuerberater: Bisher wurden steuerrechtlich relevante Unter - lagen und Belege der Mandanten in manueller Kleinarbeit bearbeitet und anschließend in Papierform wieder abgeholt und einsortiert. Heutzutage können Mandanten über eine cloud - basierte Plattform auf die digitalen Produkte und Dienstleistungen der Kanzlei zugreifen. Es gibt also viele verschiedene Arten, Plattformen als Basis eines Geschäftsmodells zu nutzen. Im Fokus steht dabei aber immer der (potenzielle) Kunde und seine digitalisierten Bedürfnisse. Möglichkeiten der Multi-Channel-Kommunikation stärken zudem den direkten, kanalunabhängigen Austausch zwischen Unternehmen und Kunden. Das auf diese Weise geschaffene Netzwerk bietet einen maßgeblichen Erfolgsvorteil gegenüber traditionellen Unternehmen. BIT Die Bedeutung von EIM wird in der Öffentlichkeit gestärkt, etwa durch die Verleihung des Dialog- Awards „Excellence with EIM“. Mit diesem werden Unternehmen und Organisationen für zukunftsorientierte Konzepte ausgezeichnet. Welche Rolle übernimmt Ihr Unternehmen in diesem Zusammenhang? Bischoff Seit 2015 bin ich als Jurymitglied an der Vergabe des jährlichen Dialog-Awards beteiligt. Darüber hinaus tragen wir mit BCT Deutschland als Mitinitiator des Fachforums in Form von Fachvorträgen, Diskussionsrunden und Moderationen aktiv zur Gestaltung des Dialog-Fachforums bei, das die Rahmenveranstaltung der Award-Verleihung bildet. Wir freuen uns darüber, auf diese Weise die Relevanz nachhaltigen Arbeitens im Sinne von EIM einer breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen. Gleichzeitig erhalten wir eine schöne Bestätigung dafür, dass unsere Arbeit im Bereich des Enterprise-Information-Management anerkannt wird. 2014 und 2015 zählte übrigens jeweils einer unserer Kunden zu den glücklichen Finalisten, die die Auszeichnung „Excellence with EIM“ erhielten. BIT Kommen wir abschließend noch zu einem aktuellen Thema aus Politik und Wirtschaft: Dem anstehenden Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der EU. Welche Bedeutung hat der Brexit Ihres Erachtens für die IT-Branche? Bischoff Auch heute, knapp drei Monate nach dem Brexit-Referendum der Briten, sind Investitionen in britischdeutsche Kooperationen und gemeinsame Entwicklungen von Unsicher - heiten geprägt. Großbritannien hat eine große Rolle in der internationalen Digitalwirtschaft inne und ist wichtigster Handelspartner der hiesigen ITBranche. Seine Position als europäischer Startup-Standort Nummer 1 könnte nun aber neu besetzt werden. Die größte Herausforderung liegt allerdings darin, nach dem Austritt der Briten aus der EU, neue Handelsverträge und vor allem europaweite Digitalstandards festzusetzen – gerade im Bereich Datenschutz und Datentransfer. Denn theoretisch könnten die Briten ihr ganz eigenes Datenschutzrecht etablieren, das den Export von IT-Lösungen aus Deutschland erheblich erschweren und das bisher digital vernetzte Europa spalten würde. BIT Vielen Dank für das Gespräch, Frau Bischoff. (www.bctsoftware.com) „Die Fülle der täglich das Unternehmen erreichenden Dokumente und Daten hat in den vergangenen Jahren explosionsartig zugenommen.“ Möglichkeiten der Multi-Channel- Kommunikation stärken den direkten, kanalunab - hängigen Austausch zwischen Unternehmen und Kunden. „Um dauerhaft am Markt bestehen zu können, sollte sich das in Dokumenten und Daten ent - haltene Wissen in Produkten und Dienstleistungen von Unternehmen widerspiegeln.“ „Das Thema Plattformisierung wird definitiv immer wichtiger und auch in Zukunft sicherlich noch stärker am Markt präsent sein.“ BIT 5–2016 | 27


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