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BIT 01-2016

50 Jahre BIT Jubiläums-Special BIT 1–2016 | 69 Was geht? Was kommt? Der vernetzte Kunde unterstützt die Wertschöpfung von Unternehmen, indem er in den Geschäftsprozess eingebunden wird. So bringt z. B. die Allianz Private Krankenversicherung eine App auf den Markt, mit der man Belege und Rechnungen fotografieren und beim Versicherer einreichen kann. „In sechs Jahren werden die Dinge radikal anders hergestellt als heute. Firmen mit digitaler Expertise übernehmen nicht nur im Internet, sondern auch in der Produktion die Macht.“ Andrew Anagnost, Marketingchef bei Autodesk Der vernetzte Kunde wird aber auch Teil der Wertschöpfungskette, seine Service-Ansprüche wachsen. Die Kundenkommunikation erfolgt auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen, und er erwartet Informationen on Demand, also möglichst schnelle Antworten auf seine Anfragen, wobei Kundenkontakte rund um die Uhr möglich sind. Individuell auf den Kunden zugeschnittene Angebote, Produkte und Dienstleistungen werden immer selbstverständlicher. Apps dienen häufig als Basis für neue Service-Angebote und neue Geschäftsmodelle. Für die Unternehmen bedeutet dies, sie müssen Prozesse aus Kundensicht betrachten und in der Lage sein, schnell und flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren. Starre Prozesse sind dabei nur hinderlich. Unternehmen müssen in der Lage sein, zum richtigen Zeitpunkt über den richtigen Kanal mit dem richtigen Angebot den Kunden zu erreichen. Das bedeutet, Veränderungen in den Abläufen vorzunehmen, die Organisation auf den Prüfstand zu stellen, den Fachabteilungen größere Handlungsspielräume zu eröffnen, Abläufe automatisieren und die Agilität in Entwicklung, Produktion und Logistik fördern. Und letztendlich gilt es, Optionen für neue Geschäftsmodelle zu prüfen und zu schaffen. Die anwendungsbezogenen Technologien dafür sind vorhanden. Sie heißen Enterprise-Content-Management (ECM), Business Intelligence (BI), kognitive Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz, CRM, Cloud-Computing, Big Data Analytics u. v. m. Sie müssen nur im entsprechenden Kontext angewandt und selbstverständlich in ihren Funktionsumfängen auf die neuen Anforderungen angepasst werden. Vorausgesetzt, die organisatorischen und strukturellen Rahmenbedingungen werden auf digitale Strategien ausgerichtet. Projektmanagement auf Basis von Design Thinking empfiehlt sich hier als Ausgangsbasis. Noch sind die Konsequenzen der angebrochenen Digitalisierungs-Epoche für die einzelnen Unternehmen nicht zu überblicken. Aber schon heute dürfte klar sein: Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert, ebenso wird auch alles was automatisiert werden kann, automatisiert. Arbeitsmarkt im (Digitalen) Wandel Auswirkungen Nach Prognosen von Arbeitsmarktforschern wird die Digitalisierung in den deutschen Fabrikhallen bis zu 60000 Jobs kosten. Wie das das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, meldet, dürften durch intelligente Vernetzung der Produktion (Industrie 4.0) in den kommenden Jahren in Deutschland 430000 neue Stellen entstehen, in derselben Zeit gingen aber 490000 meist einfachere Jobs verloren. Eine Verdoppelung des Umsatzes in wenigen Jahren scheint mit der gleichen Zahl der Beschäftigten möglich, sagt der Maschinenbauer Trumpf voraus. Auf die Plätze, fertig, los – Wer den Start in eine Digitale (Arbeits-) Welt verschlafen hat,muss nun kräftig aufholen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Abb.: olly, Fotolia.


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