Digitaler Wandel

BIT 01-2016

66 | BIT 1–2016 Digitalisierung – Was geht, was kommt? Neuvermessung der Wirtschaft „In den nächsten fünf Jahren wird mehr passieren als in den vergangenen fünf Jahrzehnten“, ist sich Günther Oettinger, der für Digitalisierungsfragen zuständige EU-Kommissar, sicher. Noch nie gelang es Newcomern so schnell, etablierten Unternehmen ihre gefestigte Position streitig zu machen, selten konnten innovative Geschäftsmodelle sich so schnell am Markt durchsetzen. Auf die technologischen und organisatorischen Paradigmenwechsel, die diese Zeitschrift in den vergangenen 50 Jahren mit qualifizierten Fachinformationen begleitet hat, folgt nun ein fundamentaler Umbruch der Wirtschaft, ja ganzer Volkswirtschaften. Dass die Digitalisierung nicht nur die Kräfteverhältnisse im gewohnten Wettbewerbsumfeld zu erschüttern vermag, sondern globale Marktstrukturen verändern kann, zeigt das Ranking der weltweit wertvollsten Konzerne, das die Beratungsgesellschaft Ernest & Young Ende Dezember 2015 vorlegte. So erreichen die amerikanische Digitalkonzerne Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft zusammen eine größere Marktkapitalisierung an der Börse als alle 30 im Dax gelisteten deutschen Unternehmen. Bewährungsprobe für Volkswirtschaften Wie dramatisch dieser Umstand für eine Volkswirtschaft ist, wird am Beispiel Siemens deutlich. Der Traditionskonzern rangiert mit Platz 88 auf den hintersten Rängen der 100 wertvollsten Unternehmen. Der älteste europäische Hightechkonzern gilt mittlerweile als verletzlicher Riese, dessen Schicksal auch über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands entscheidet. Der Spiegel, Ausgabe 49/2015, befindet sogar: „Kann Siemens in dem weltweiten Wettlauf um die technologische Vorherrschaft nicht mithalten, wäre das ein Menetekel für ganz Europa.“ Auch der neue VW-Chef Matthias Müller fürchtet, dass Deutschland und Europa für den fundamentalen Wandel durch Digitalisierung und Vernetzung nicht gerüstet sind. In der traditionellen Isny-Runde warnte er: „Die wirtschaftlichen Gewichte werden in der Welt gerade neu verteilt.“ Vielen Branchen, auch der Autoindustrie, stehe eine Transformation nach dem Muster der Unterhaltungselektronik bevor. Hier wurde die analoge Hardware (Schallplatte) zur digitalen Hardware (CD), die digitale Hardware zur Software (Musikdatei), um letztlich über Cloud-Streaming-Dienste zum Nutzungszeitpunkt zur Verfügung gestellt zu werden. Jacques Ziegler, ehemaliger verantwortlicher BIT-Redakteur: „Auf die technologischen und organisatorischen Paradigmenwechsel, die diese Zeitschrift in den vergangenen 50 Jahren mit qualifizierten Fachinformationen begleitet hat, folgt nun ein fundamentaler Umbruch der Wirtschaft, ja ganzer Volkswirtschaften.“ Abb.: putilov_denis, Fotolia Waren die vergangenen 50 Jahre in den Unternehmen geprägt von Prozessinnovationen, wie sie BIT als Fachzeitschrift für Geschäftsprozess-Management begleitet hat, so werden zukünftig innovative Geschäftsmodelle und kundenorientierte Services zum wesentlichen Wettbewerbsfaktor. Die Digitalisierung, ihre Bedingungen und ihre Folgen – ein Ausblick von Jacques Ziegler. „Sie kommen wie aus dem Nichts, die neuen Wettbewerber für etablierte Unternehmen. Oft sind sie klein, smart und agil, ohne hierarchische Strukturen aber mit verblüffenden Geschäftsmodellen.“


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