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BIT 01-2016

50 Jahre BIT Jubiläums-Special „Für die Branche waren aber die End-90er eine goldene Zeit, wie sich auch mit der nie wieder erreichten Größe und Reichweite der DMS-Messen 1998 bis 2001 in Essen zeigte.“ 40 | BIT 1–2016 Dr. Ulrich Kampffmeyer: Rückblick und Ausblick ECM am Scheideweg Er gehört zu den ganz wenigen Experten, die es verstehen, auch ein Nicht-Fachpublikum zu faszinieren. Er liebt es, Markt-Entwicklungen vorauszusagen, versteht sich selbst als Mahner und Wegbereiter. Als unermüdlicher Berater, Publizist, Referent, Autor und leidenschaftlicher Diskursteilnehmer war er bis heute in zahlr eichen BIT-Ausgaben präsent. W as lag also näher als Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der Project Consult Unternehmensberatung, anlässlich des 50-jährigen BIT-Jubiläums um einen Rück- und Ausblick auf eine Branche zu bitten, die sich seit über 25 Jahren mit elektronischem Dokumenten-Management beschäftigt und heute zum wiederholten Mal einen Paradigmenwechsel bewältigen muss. Ein epochaler Einschnitt, der sowohl die Software-Anbieter, wie auch die Anwenderunternehmen betrifft. Ende der 80er Jahre hatte der Wandel zum elektronischen Dokument begonnen, mit originär elektronischen Dokumenten per Textverarbeitung und dem Scannen von analogen Dokumenten. Damals noch mit spezieller Hardware und speziellen Clienten, da in der Daten-orientierten Welt der Hostsysteme nur sehr schwierig mit Bilddokumenten und anderen schwachstrukturierten Informationsobjekten umgegangen werden konnte. Während international die Begriffe „Imaging“ im Umfeld des Scannens und „Optical Filing“ für das Speichern auf digital-optischen Speichermedien in Mode kamen, war es in Deutschland die „elektronische Archivierung“. Die rechtliche Anerkennung elektronischer Dokumente und die Speicherung in elektronischen Systemen war Ende der 80er Jahre in Deutschland noch sehr unsicher. Dies war auch einer der Anlässe, die 1991 zur Gründung des VOI Verband Optische Informationssysteme e.V. führte. Die Initiative zur Anerkennung der revisionssicheren Archivierung – revisionssicher steht für rückblickend in Bezug auf die Ordnungs - mäßigkeit überprüfbar – war erfolgreich und mündete z. B. die GOBS, die die Grundsätze für die elektronische Aufbewahrung handelsrechtlich relevanter Dokumente in elektronischer Form schuf. DMS tritt Siegeszug an Parallel kam in den 90er Jahren der Begriff Dokumenten-Management auf, der in Deutschland anders als international als Obermenge sehr unterschiedlicher Technologien betrachtet wurde: Workflow, Scannen, Archivieren, Dokumentenmanagement im engeren Sinn, Cold, Imaging usw. Hierfür bürgerte sich sehr schnell die Abkürzung DMS Dokumenten-Management- System ein. In den USA war dagegen das elektronische Dokumenten- Management im engeren Sinn die datenbankgestützte Verwaltung von Office-Dateien. Solche begrifflichen Divergenzen sollten das Thema noch mehrfach überschatten. Aber DMS wurde in Deutschland schnell zum Leitmotto, da es die Bezeichnung der wichtigsten Branchenveranstaltung wurde. 1995 fand in Stuttgart die erste offizielle DMS mit Vortragsserie und Ausstellung statt. Der VOI war von Anfang an mit als fachlicher Träger dabei. Die DMS als Messe erlebte wie die Branche einen ungeahnten Aufschwung. Das Internet setzte neue Akzente und veränderte das Thema Dokumentenmanagement dramatisch. Web-Formate, die Bereitstellung von Informationen über Web- Clienten und neue Nutzungsmodelle rückten DMS „auf die Pelle“. Die traditionellen Techniken rund ums Dokument, DRT Document Related Technologies, begannen sich als Infrastruktur abzugrenzen. Den Begriff Dokumenten-Technologien führte auch die BIT eine lange Zeit als Untertitel. Doch Dokumente allein verschwanden aus dem Fokus. In den 90er Jahren hatte sich eine Vielzahl und Vielfalt von mittelständischen und kleineren Anbietern in Deutsch- Mein erster Beitrag für die BIT erschien wohl 1988 im Vorfeld des Kongresses „EDV & Dokumente“, den ich damals mitorganisierte. Heute ist die BIT fünf Jahrzehnte alt. Das bedeutet ein halbes Jahrhundert fachlicher Begleiter, vom papierbasierten Büro über die Mikrofilm-Ära hin zum elektronischen Dokumenten-Management bis zum Digital Business unserer Zeit. Als ich gebeten wurde, etwas zu den „Entwicklungsstationen des DMS über ECM, DRT, Enterprise Change Management, Information Management“ beizutragen konnte ich einfach nicht „Nein“ sagen. Danke für die Einladung.


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