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BIT 07-2015

BIT 7–2015 | 27 BIT Was meinen Sie genau mit Geschäftsprozesse-Denken versus IT-Denken? Schaar Allzu oft hat die IT in den letzten Jahren die Entscheidung treffen dürfen, welche Potenziale die Fachbereiche durch die IT erreichen können. Heute beobachten wir, dass die Fachbereiche vermehrt selbst ihre Organisationspotenziale anhand von dem KVP – kontinuierlichen Verbesserungsprozess – beschreiben und dann auch am Leben halten werden. Denn nur der Schmerz ist der Anreiz für jede Besserung. Das hat sich auch nach mehr als zehn Jahren Business-Process- Management (BPM) nicht geändert. BIT Heißt das, Business-Process- Management wie wir es heute kennen, gehört auf den Prüfstand? Brauchen wir etwa mehr adaptives Prozess-Management, das von den Fachabteilungen maßgeblich gestaltet wird? Schaar Die Prozessgestaltung gehört zweifellos in die Fachabteilungen. Das gilt vor allem für die klar fachbezogenen Prozesse. Die IT muss zum Servicedienstleister der Fachabteilungen werden. Das setzt eine verständliche Kommunikation zwischen den beiden Unternehmensinstitutionen voraus. Die eigentliche Herausforderung besteht aber in der größeren Flexibiliät der Organisationsstrukturen. Aufgabenbereiche müssen u. U. durchlässiger werden, mehr Agilität in den Fachabteilungen und den voneinander abhängigen Abteilungen und Geschäftsbereichen ist erforderlich. Das Wissensmanagement muss unternehmensweit konzipiert und u. U. technologisch unterstützt werden. BIT Ihr Unternehmen The Quality Group gehört zu den Pionieren, die sich von dem Begriff ECM, Enterprise-Content-Management, landläufig auch als Dokumenten- Management bezeichnet, ab - gewendet hat und sich EIM, Enterprise Information-Management auf die Fahnen geschrieben hat. Was meinen Sie damit? Schaar EIM beschreibt nicht mehr IT-Lösungen oder Techniken, sondern Werte durch IT-Lösungen. So haben wir unsere Definition von EIM in den letzten Jahren auch schon ergänzt und weiterentwickelt und beschreiben derzeit den Nutzen durch EIM mit einem Ansatz zur Transparenz ihrer Prozesse und Verträge, Beschleunigung der Standards unternehmensweit, Minimierung von Risiken und Einhaltung von Compliance. Die richtigen Informationen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort – Informationsprozesse die alle Mitarbeiter mitgestalten. Es fängt in einer bewussten, nachhaltig gestalteten Kommunikation an und hat als Zielstellung abteilungsübergreifende und strukturierte Informationsprozesse. Dafür haben wir strategische Angebote in Form von Beratung und Lösungen für nachhaltigen Umgang mit Informationen, die strukturiert und messbar sind. Messbarkeit war leider in den administrativen Bereichen bisher ein Fremdwort. Mit EIM werden Ansätze etabliert und gelöst, die über KPI (Key Performance Indicator) der Strukturierung und Informationsbeherrschung einen greifbaren praktischen Verbesserungsansatz liefern. Deswegen heisst unsere Beratungsmethode OPH – Organisations- und Prozesshandbuch – und ein Lösungsansatz in Form einer elektronischen Product Suite LCM – Life Cycle Management für Enterprise- Information-Management. BIT Also halten Sie ECM für einen heute nicht mehr zeitge - mäßen Ansatz? Schaar Die Frage ist nicht, ob ECM richtig oder falsch ist. ECM war vor mehr als einer Dekade eine strukturierte Beschreibung, heute liegen die Prioritäten mehr in dem Strukturieren von Information, übergreifend betrachtet im „Enterprise“ und dem qualitätsbewussten Management. Die technischen Ansätze von ECM werden uns als Basis weiterhin begleiten. Sie sind die Grundlage, die digitalen Anwendungen, ob Content-Management, Collaboration und viele andere ECMFunktionen auch weiterhin in EIM zu integrieren. Aber EIM ist für uns eine Methodik, die Tugenden, Wertvor - stellungen, Maßstäbe und Qualitäts - bewusstsein anspricht. Für die Digitalisierung brauchen wir die IT, aber sie ist nicht das Ziel, sondern das Werkzeug. Und für die digitale Transformation brauchen wir die Mitarbeiter und eine Unternehmenskultur, die digitale Organisationsstruktur mit formt. BIT Ihr Unternehmen hat zusammen mit dem VOI einen Preis, den Dialog-Award, ins Leben gerufen, der im nächsten Jahr zum dritten Mal ausgeschrieben wird. Warum nennen Sie die Auszeichnung Dialog- und nicht EIM-Award? Schaar Ich möchte gern der Vollständigkeit halber ergänzend den Unter - titel hinzufügen: „Excellence with EIM“. Die Bezeichnung „Dialog“ entspricht unserer Leitlinie und den zeitgemäßen Anforderungen gerade mit Blick auf den digitalen Wandel in Wirtschaft und Unternehmen. Sie steht für Dialog mit unseren Kunden als strategisches Konzept, sie steht für Dialog in unserer Beratungsstrategie und auch für Dialog zwischen den Abteilungen in den Unternehmen und den Akteuren. Diesen Dialog wollen wir mit unserer Methodik EIM unterstützen. Und Dialog steht letztendlich auch für die Kommunikation der Unternehmenskunden mit ihren Anbietern. Denn der Kunde als Mensch und Mitarbeiter wird durch die zunehmende Digitalisierung zu einem noch wichtigeren Glied in der Wertschöpfungskette der Unternehmen. Dafür motiviert dieser Preis und setzt mit dem Zusatz „Excellence“ – besondere Wertemaßstäbe an kontinuierliches, nachhaltiges und innovatives Handeln. Übrigens: die Bewerbungsfrist für die Auszeichnung in 2016 läuft schon. BIT Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schaar. „EIM ist für uns eine Methodik, die Tugenden, Wertvorstellungen, Maßstäbe und Qualitätsbewusstsein anspricht.“ „Aufgabenbereiche müssen u. U. durchlässiger werden, mehr Agilität in den Fachabteilungen und den voneinander abhängigen Abteilungen und Geschäftsbereichen ist erforderlich.“


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