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BIT 06-2015

Rund 70 Mio. Euro jährlich erwirtschaftet Hansaprint über ein denkbar breites Portfolio – von POS-Materialien über Direktmarketing hin zu Zeitschriften und Büchern. die großen Druckmaschinenbauer in Sachen Effizienzsteigerung einiges einfallen lassen. Gefragt sind „Querdenker“ unter den Druckdienstleistern – Unternehmen wie Real Digital International, die Gewohntes hinterfragen, damit Inkjet zu seinen ureigenen Stärken auflaufen kann. Dann dürfte einer kreativeren, rentableren Zukunft nicht mehr viel im Wege stehen. Konkurrenz für Offsetdruck Beste Voraussetzungen dafür bieten Neuerungen der Hersteller: Mit einer offsetnahen Bildqualität punktet z. B. das 2014 eingeführte Ricoh Pro VC60000, ein High-Speed-Endlosdrucksystem in Vollfarbe. Von ersten Erfahrungen mit dem Arbeitstier berichtet Jukka Saariluoma, Hansaprint Business überzugehen bestand darin, speziell behandeltes Papier benutzten zu müssen und nicht auf glatte Oberflächen effektiv drucken zu können. Die neueste Generation von Inkjet-Druckmaschinen schafft diese Nachteile aus der Welt. Peter Wolff, Director Commercial Printing bei Canon EMEA hebt hervor: „Noch einmal gänzlich neue Zielgruppen können wir nun mit der ImageStream-Serie ansprechen, die gestrichene Offsetpapiere mit unterschiedlichen Oberflächen (matt, seidenmatt, glänzend) anstandslos verarbeitet. Zahlreiche Akzidenz- und Verlagsdruckereien nutzen sie bereits für Kataloge, Zeitschriften und mehr. Ja zu Kleinauflagen und Individualisierung, nein zu teuren Spezialpapieren – so lassen sich die Vorteile auf den Punkt bringen.“ Buchdruck als Inkjet-Vorreiter Und dennoch – eine der Bastionen des traditionellen Druckhandwerks hat Inkjet bereits kräftig ins Wanken gebracht: den Buchdruck. Neuauflagen vergriffener Titel, Selbstpublikation, häufige Aktualisierungen – Vorhang auf für Book-on-Demand! Gedruckt wird nur, was aktuell gefragt ist. Die Flexibilität des Inkjet ermöglicht es, die Buchproduktion neu zu gestalten, mit reduzierten Lager-, Vertriebs- und Finanzierungskosten, um so das ver - legerische Risiko zu minimieren. Besonders attraktiv wird es, wenn automatisiertes Inline-Finishing ins Spiel kommt. Vom Druck über das Falzen und Zusammentragen zum fertig gebundenen Buchkörper – bereit zum Anbringen der Buchdecke und End - beschnitt – geht es in einem einzigen rationellen Arbeitsgang. Formaten und Seitenzahlen sind praktisch keine Grenzen gesetzt, und zusehends wird nicht mehr nur in Schwarz-Weiß, sondern auch in Farbe gearbeitet. Lässt sich dieses Erfolgsmodell auf weitere Hochburgen des konventionellen Drucks übertragen? Eins zu eins wohl leider nicht – zumal sich auch Blickpunkt Tinte Mangelnder Wettbewerb Bessere Verdruckbarkeit, höhere Farbbrillanz, erweiterter Farbraum, ökologisch nachhaltigere Inhaltsstoffe – in wohl kaum einem Bereich der Druckindustrie wird so intensiv geforscht wie bei Tinte. Das Resultat: Zusehends rückt die viel zitierte Offsetanmutung in die Reichweite des Inkjetdrucks – zumal im Zusammenspiel mit einem anspruchsvollen Farbmanagement und den immer zahlreicheren Inkjet-optimierten Papiersorten. Doch wer sind die Akteure, die hinter diesen Neuerungen stehen? In erster Linie die Hersteller der Drucksysteme oder ihre Lizenznehmer. Der Vorteil: perfekt eingespielte Systemlösungen aus einer Hand. Der Nachteil: mangelnder Wettbewerb, der sich in den bereits erwähnten überhöhten Preisen niederschlägt. Besonders ausgeprägt erscheint dieses Phänomen im mittleren bis oberen Marktsegment. Vereinfacht lässt sich sagen: Je leistungsstärker ein Drucksystem, desto seltener sind Anbieter von Alternativtinten anzutreffen. Muss das so bleiben? Innovationsstark über ein breites Spektrum von Rezepturen (wasser-, öl- oder lösemittelbasiert) und Härtungsverfahren (UV, UVLED, Elektronenstrahl) präsentiert sich Tintenhersteller Collins Inkjet aus Cincinatti (USA). Collins Vice President Sales & Marketing, Chris Rogers gibt sich optimistisch: „Niedrige Verbrauchskosten führen zu Wachstum und erleichterter Umsetzung.“ Sean Smyth BIT 6–2015 | 61


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