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BIT 06-2015

Rechnungsteller haben sogar bereits begonnen, zusätzliche Gebühren für die Papierrechnung zu verlangen. Viele größere Firmen bieten Portale an, auf denen ihre Kunden beispielsweise die letzten Rechnungen einsehen und als PDF herunterladen können. Das Problem dabei: Auch wenn diese Portale für mobile Geräte optimiert sind, muss sich der Kunde doch bei jedem einzelnen Rechnungssteller einen Zugang beantragen. Neben dem Passwort-Dschungel bedeutet das auch ein aufwändiges Zusammensuchen von Dokumenten aus allen möglichen Quellen. Außerdem: A4 ist bei den geschilderten Beispielen nach wie vor das Basisformat und damit ungünstig, wenn es um mobile Geräte geht. Das Betrachten einer PDF-Datei auf einem Smartphone und auf kleineren Tablets macht eben wenig Spaß. Hier würde sich also die Darstellung des Dokuments mittels HTML5 anbieten. Nur würde das nun bedeuten, dass wir für jedes Dokument dann potenziell drei verschiedene Formate anbieten müssten: XML für Rohdaten, HTML5 für die mobilen Geräte und PDF für den traditionellen A4-Bereich. Das bedeutet, dass für das HTML-Format zusätzliche Entwicklungskosten entstehen, wenn der Druckkanal wie gehabt weitergepflegt wird. Diese Kosten können in bestimmten Fällen reduziert werden, indem man PDF-Dateien nach HTML umwandelt. Dieser Ansatz wird allerdings nicht in allen Fällen zufriedenstellend funktionieren. Nicht alle Layouts lassen sich automatisch in eine sinnvolle HTML-Darstellung umsetzen. Wird HTML5 das PDF ablösen? Wie schön wäre es doch, Dokumente von Anfang an so zu produzieren, dass sie auf sämtlichen Geräten bzw. Kanälen sinnvoll dargestellt werden können? Noch besser: Rechnungen enthalten auch gleich die Zahlungsinformationen in einem standardisierten Format (z. B. ZUGFeRD, XML oder EDI/XML), so dass man die Überweisung direkt von seinem Smartphone veranlassen oder die Datei an ein E-Banking-System weiterleiten kann. Idealerweise sollen solche Dokumente keinen Zugriff aufs Internet benötigen, da man ein Dokument gegebenenfalls auch in zwei Jahren noch anschauen will, wenn Firma „X“ dann plötzlich „Y“ heißt und die URL gewechselt hat. Das bedeutet: CSS-Stylesheets, Bilder, Schriften und auch der JavaScript- Code müssten in eine Datei eingebettet werden. Auf den Inhalt kommt es an Zudem wäre in diesem Zusammenhang eine digitale Signatur wünschenswert – sowohl zur Verifizierung des Absenders als auch zur Kontrolle, dass die Datei nicht verändert wurde. Außerdem sollte das Dokument auch für Menschen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen voll und ganz zugänglich sein. Mit dem Format ePub („electronic Publication“) gibt es bereits einen Standard, der diese Anforderungen berücksichtigt. Obwohl es hauptsächlich als E-Book-Format gesehen wird, wäre es für die multikanalfähige Darstellung von Dokumenten jedes Typs und Formats ideal. Die aktuelle Version ePub 3.0 erlaubt beispielsweise die Deklaration von alternativen Präsentationsformen ein- und des - selben Dokuments (z. B. das visuelle HTML5 und die Rohdaten als XML). Sogar ein PDF könnte man in den ZIP-basierten Container einbetten, auch wenn es keine ernstzunehmende Alternative ist. Mit anderen Worten: Auf welchem Weg Dokumente versendet werden, ist letztlich nicht so wichtig. Im einfachsten Fall genügt eine E-Mail mit Anhang, allerdings kann der Absender nicht zuverlässig feststellen, ob das Dokument auch angekommen ist. De-Mail, IncaMail oder standardisierte HTTPS-Schnittstellen, die von Online- Archiven zur Verfügung gestellt werden, sind da sicher eine Alternative. Beim Rechnungssteller müsste man dann nur noch eine URL hinterlegen, die den Zielort für die eigenen Dokumente definiert. Das geschilderte Szenario ist nur ein Beispiel dafür, wie HTML5 zukünftig das Output-Management beeinflusst. Fakt ist, dass es beim Dokumentenaustausch immer mehr um den Inhalt geht und weniger um die Darstellung, schließlich sind die Daten das Wichtigste. Die Präsentation ist letztlich nur Mittel zum Zweck, und da deckt HTML5 eben sehr viel ab; so viel, dass es das klassische druckorientierte Output-Management unweigerlich auf den Kopf stellen wird. (www.compart.com) Lösungen für die geräteunabhängige Dokumentenverarbeitung Zu den führenden Dienstleistern für die Aufbereitung von Dokumenten für alle Kanäle gehört die Compart AG. Ihre Lösungen schaffen die Grundlagen für eine geräteunabhängige Dokumentenverarbeitung jenseits von Hindernissen wie der A4-Metapher und der Größe des Displays. So enthält beispielsweise die Software DocBridge Mill Plus eine Komponente, mit der sich Dokumente in HTML5 erzeugen lassen, dem für die Darstellung im Web entscheidenden Datenformat. Außerdem unterstützt DocBridge Mill Plus aktuelle Entwicklungen wie XMP und treibt damit die Automatisierung und Standardisierung im digitalen Dokumentenaustausch weiter voran. HTML5 und CSS 3 sind maßgeblich daran beteiligt, dass das Internet in der Hosentasche inzwischen allgegenwärtig ist. Abb.: nenetus, Fotolia. BIT 6–2015 | 53


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