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BIT 06-2015

Output-Zentrale und Document-Factory Output-Management Compart: Wie HTML5 zukünftig das Output-Management beeinflusst Das Ende der A4-Ära HTML5 und CSS 3 erobern das Internet, getrieben von Smartphone, Tablet & Co. Im Output-Management werden jedoch größtenteils immer noch A4-Seiten produziert. Ein Widerspruch? Jeremias Märki, freier Softwareentwickler und Berater im Auftrag der Compart AG, klärt auf. Websites werden heutzutage immer häufiger nach den Prinzipien von „Responsive Design“ entwickelt, und das meist mit einem „Mobile First“- Ansatz. D. h., dass Internetseiten erst für mobile Geräte mit kleineren Displays und Touchbedienung gestaltet werden und danach für größere Displays (PC etc.). Die vom World- Wide-Web-Consortium (W3C) publizierte Gestaltungssprache CSS 3 (Cascading Style Sheets) erlaubt es, das Layout an die jeweilige Displaygröße anzupassen. Während auf einem großen Schirm Informationen mehrspaltig und mit Illustrationen dargestellt werden, beschränkt man sich beim Smartphone auf die wichtigsten Inhalte und zeigt diese einspaltig untereinander an. Dies geschieht über so genannte Media Queries, mit denen man je nach Ausgabemedium andere Stylesheets auf das HTML-Dokument anwenden kann. HTML fit gemacht für die Zukunft HTML5 propagiert nun auch erstmals SVG (Scalable Vector Graphics) als universelles Vektorgrafikformat, was ein weiterer Meilenstein ist beim Rückzug aus pixelgenau erstellten Webseiten, die im Zeitalter der mobilen Geräte nicht immer die idealen Ergebnisse erzielen. Eine kleine Tortengrafik beispielsweise benötigt vielleicht statt 32 KB (als PNG Bitmap) nur noch 4 KB als nichtkomprimierte SVG-Grafik und ist dann erst noch auf beliebige Größen ohne Qualitätsverlust skalierbar. Hochauflösende Displays zu unterstützen ist somit keine allzu große Herausforderung mehr. Weitere Neuerungen, die mit HTML5 eingeführt wurden, sind u. a. das Streaming von Audio und Video sowie weitere Schnittstellen für Zusatzfunktionen innerhalb des Browsers. Dazu gehören u. a. die Abfrage der geographischen Position (Geolocation) oder die browserbasierte Ablage von Daten. Diese Features eröffnen ganz neue Perspektiven für Webanwendungen und haben letztlich die Abkehr von Plugins wie Flash, welche gerade auf mobilen Geräten oft nicht zur Verfügung stehen, zur Folge. Auch scheint sich mit HTML5 das Bewusstsein für die Interoperabilität verschiedener Browser stark verbessert zu haben, was die Entwicklungskosten im Web insgesamt merklich reduziert. Kurz: HTML5 und CSS 3 sind maßgeblich daran beteiligt, dass das Internet in der Hosentasche inzwischen allgegenwärtig ist. Wir kaufen unser Bahn- oder Kinoticket immer öfter per Smartphone. Auch kommen ständig neue Zahlungssysteme auf den Markt, die z. B. über Bluetooth oder NFC (Near Field Communication) funktionieren. Wir werden wohl in Zukunft immer häufiger mit unserem mobilen „Begleiter“ bezahlen. EC-Karte und das gute, alte Portemonnaie bekommen somit Konkurrenz. Langsame Abkehr vom gedruckten Dokument Doch was bedeutet das für die hoch - volumige Dokumentenverarbeitung? Fakt ist: Immer noch werden jedes Jahr Milliarden von A4-Papierseiten produziert. Wir verschicken und erhalten Rechnungen, Lieferscheine, Mahnungen, Versicherungspolicen, Infobriefe etc. in gedruckter Form. Doch im B2B-Bereich wird immer häufiger auf den elektronischen Austausch von Dokumenten einschließlich deren Verarbeitung gesetzt (z. B. mit Formaten wie EDI oder UBL). In Deutschland beispielsweise hat sich mit ZUGFeRD ein auf dem Format PDF/A-3 fußender Standard für den digitalen Empfang und Versand von Rechnungen etabliert – der übrigens auch im B2C-Bereich von Interesse ist. Das Grundprinzip von ZUGFeRD ist, dass eine PDF-Datei die Rechnung nicht nur visuell darstellt, sondern die Rohdaten des Dokuments in einem maschinell lesbaren, standardisierten XML-Format als Anhang (Attachement) mitführt, auf denen die visuelle Darstellung basiert. So können sowohl Mensch als auch IT die Rechnung ohne größere Anstrengungen interpretieren. Auch in der Schweiz tut sich einiges in Sachen Digitalisierung. Dort unterstützen heute die meisten Banken den Empfang von E-Rechnungen (e-rechnung.ch/de). Diese kommen nicht mehr als klassischer Brief, sondern werden digital direkt ins eigene E-Banking-System übertragen, wo nur noch die Zahlung freigegeben werden muss. Das PDF der Rechnung kann via Link heruntergeladen werden. Einige Jeremias Märki, freier Software - entwickler und Berater im Auftrag der Compart AG: „Fakt ist, dass es beim Dokumentenaustausch immer mehr um den Inhalt geht und weniger um die Darstellung, schließlich sind die Daten das Wichtigste.“ 52 | BIT 6–2015


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