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BIT 04 -2015

BIT 4–2015 | 57 Highspeed-Inkjet-Druck Der nächste logische Schritt Kai Brückel, Experte für Qualitätssicherung im Highspeed-Inkjetdruck: „Um nicht von der rasanten Entwicklung des HSI-Drucks abgehängt und aus dem Markt gedrängt zu werden, ist die Umsetzung des PSD unerlässlich.“ Über praxisnahe und weiter entwickelte Qualitätsicherungsmaßnahmen anhand der Schlüsselparameter des PSD berichtet der selbstständige Berater Kai Brückel in seinem Vortrag. Wer die Entwicklung rund um den Highspeed-Inkjet (HSI)-Druck auch nur nebenbei verfolgt hat, konnte sich über das rasante Tempo nur erstaunt die Augen reiben: neue Drucker, bessere Tinten und leistungsfähigere Substrate kamen in schneller Folge auf den Markt und verschoben die Leistungsfähigkeit des HSI-Drucks auf das Niveau des Offsetdrucks und reduzierten ganz nebenbei die Marktanteile des Laserdrucks. Allerdings sind diese neuen Möglichkeiten zur Produktion höherwertiger Drucksachen keine „Selbstläufer“ – weit mehr als beim Laserdruck gilt bei der Produktion mit Tinte das oft beschworene „what you know is what you get“. Denn die Techniken zur Qualitätssicherung des gesamten HSI-Druckprozesses sind eben nicht intuitiv zu handhaben und überfordern auch manchen „alten Hasen“ im Druckbetrieb. Bereits kurz nach dem Erscheinen der ersten Inkjet-Drucker für den hochvolumigen Transaktionsdruck war klar, dass mit den gängigen Methoden der Qualitätssicherung für den Endlos- Laserdruck und für den Offsetdruck der Druck mit Tinte nicht zu erfassen war. Und so entstanden die „Hausstandards“ in den Druckzentren: die Standards der Druckerhersteller wurden weitgehend beibehalten und durch den allmählich erworbenen Erfahrungsschatz ergänzt und gesichert. Wer sich aber nicht auf Dauer mit dem Fahrrad auf der Autobahn bewegen und statt dessen die Leistungsfähigkeit seiner Drucker und Substrate durch den Druck mit Vollfarbe ausreizen möchte, der kann sich eben nicht nur auf die eigene Erfahrung verlassen. Die in den bereits veröffentlichten Vorträgen und Workshops vorgestellten Werkzeuge und Methoden zur Qualitätssicherung sichern nachweislich bei korrekter Anwendung die maximal mögliche Qualität im digitalen HSI-Druck. Da sich die so erreichte Qualitätssicherung aber lediglich auf selbst festgelegte Hausstandards bezieht, stellt dieses Vorgehen eine „Insellösung“ dar – für den Kunden fehlt die Vergleichbarkeit zwischen den Anbietern. Hier setzt nun der Prozess-Standard-Digitaldruck (PSD) an und bietet im ersten Wurf die Möglichkeit, über die Hausstandards hinaus Qualität zu messen, und damit vergleichbar zu machen. Durch die Anwendung des PSD werden Eckpunkte des Druckprozesses und der Qualitätssicherung beschrieben und fixiert und so dem Vergleich und der Überprüfung zugänglich gemacht. Es gibt eine große Auswahl von Messwerkzeugen und unterstützender Software, mit der sehr präzise der Farbumfang der eingesetzten Kombination aus Drucker, Tinte und Substrat ermittelt und damit die Farbtreue (oder eben deren Fehlen) dem Kunden versprochen werden kann. Spektro - graphie und Mikroskopie, die dazu notwendig sind, haben gemeinsam einen entscheidenden Nachteil: sie sind im laufenden Druckbetrieb nur bedingt anwendbar. Herstellerseitig wird die Qualitätssicherung während des Druckvorgangs manchmal unterstützt, doch ist sie oft recht aufwendig umgesetzt, und so sind z. B. spezielle Schulungen zu ihrem Einsatz notwendig. Der Operator bleibt oft mit der Aufgabe und der Verantwortung allein, Einfluss auf die Qualitätssicherung zu nehmen. Dabei ist es gar nicht so schwierig, mit der richtigen Vorbereitung, allein durch das Hinschauen, Fehler im Druckvorgang zu bemerken und abzustellen. Kein Druckdienstleister und Druckzentrumsbetreiber kommt dauerhaft um die Beschäftigung mit der Qualitätsicherung im HSI-Druck herum, und um die Notwendigkeit, letztlich doch das Gütesiegel „Prozess- Standard-Digitaldruck“ für sein Druckzentrum zu erlangen. Denn mit den Aufgaben steigen die Anforderungen: waren vor kurzem noch Transaktionsdrucke das primäre Ziel vieler Druckdienstleister und Druckzentren, so stehen nun weitaus höhere Qualitätsanforderungen im Fokus, nämlich bei der Erstellung von Wachstumsprodukten wie Promotion, Graphic Arts und Packaging. Gerade bei den beiden Letztgenannten bestehen sehr hohe Ansprüche an die Druckqualität, die dokumentierte Einhaltung des Prozess-Standard-Offsetdruck ist hier quasi eine Selbstverständlichkeit. Daher liegt es auf der Hand, dass zukünftig auch die Outputdienstleister und Druckzentren sich nach den Anforderungen des PSD zertifizieren lassen müssen, denn warum sollten ausgerechnet besonders auf qualität - bedachte Kunden auf bewährte und erfolgreiche Arbeitsabläufe, wie z. B. den ISO-Report, verzichten wollen? Ganz sicher aber wird für die Vergabe von Rahmen- bzw. hochvolumigen Druckaufträgen die Zertifizierung nach PSD oder aber eine durchgängige Qualitätsicherung gemäß eines Haus- Standards ein wesentliches Kriterium und damit womöglich ausschlaggebend sein. Um nicht von der rasanten Entwicklung des HSI-Drucks abgehängt und aus dem Markt gedrängt zu werden, ist also die Umsetzung des PSD unerlässlich – mit all seinen Facetten der Qualitätssicherung. Vortrag: Dienstag, 23. Juni, 13.00 Uhr, Doxnet-Fachkonferenz


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