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BIT 04 -2015

BIT 4–2015 | 45 malig persönlich ausweisen. Darauf verzichtet IncaMail, und bietet dennoch ein hohes Maß an Sicherheit. Ich werde mit IncaMail voraussichtlich nie an einer elektronischen Bundestagswahl teilnehmen können, die kommt aber auch nicht so oft vor, wie meine monatliche Gehaltsabrechnung, bei der ich mit etwas weniger Sicherheit gut auskomme. BIT Auf dem letzten Comparting sprachen Sie davon, dass die Trennung von Daten und Layout unumgänglich und HTML5 das Format der Zukunft sei. Ziel einer modernen Kommunikation sei aber, so eine Ihrer Thesen, der Austausch von Rohdaten. Wie ist dieses Ziel zu erreichen? Oder anders gefragt: Woran hapert es diesbezüglich in den meisten Unternehmen? Grumser In vielen Unternehmen entstehen neue Web-Anwendungen, mit zum Teil sehr innovativen Teams, die viel von Web-Design und modernen Service-Architekturen verstehen. Der Kunde würde sich zwar schon noch ein PDF-Dokument am Ende wünschen, weil man da so schön zwei Löcher reinmachen und das dann im Wohnzimmerschrank ablegen kann, ein Ausdruck aus dem Browser tut‘s aber auch. Solange das nur wenige Anwendungen sind, merkt auch keiner, dass die Textbausteine von der Rechtsabteilung jetzt mehrmals gepflegt werden und ein Teil der Datenbeschaffung auch schon längst in einer anderen Abteilung gelöst wurde. Ob ein Kunde einen Geschäftsvorfall direkt im Web erledigen möchte und mir als Unternehmen ein hohes Maß an Transaktionskosten einspart oder ob der Kunde den langen Weg asynchroner Kommunikation per Papier hin und her vorzieht, kann nicht in zwei völlig unterschiedlichen IT-Systemen enden. BIT Input- und Output-Management sowie Web-Anwendungen müssen also in eine Gesamtarchitektur gebracht werden – das ist eine der Herausforderungen moderner Dokumentenverarbeitung. Worauf kommt es dabei an? Wo liegen die Risiken? Grumser Ganze Wirtschaftszweige haben ihre Prozesse im Internet automatisiert, alle anderen müssen folgen. Wenn ich nun aber noch lange alternativ eine HTML-Eingabemaske, ein interaktives PDF-Formular und ein Papierformular zum Ausfüllen für denselben Geschäftsprozess anbiete, muss die Erstellung dieser Anwendungen und Dokumente vereinheitlicht werden. Das bedeutet aber in den meisten Unternehmen eine Neuausrichtung der Verantwortlichkeiten: Input- und Output-Management müssen ihre Kompetenzen der Dokumentenverarbeitung in die Web-Entwicklung einbringen oder gar zu einer organisatorischen Einheit werden. Und das Malen von Layouts muss aufhören, weil die Darstellung sowohl auf einem Arbeitsplatz im Büro mit großem Bildschirm als auch auf einem mobilen Gerät mit 4-Zoll-Bildschirm funktionieren muss. BIT Bleiben wir noch kurz bei responsivem Design, der seiten- und geräteunabhängigen Darstellung und Ausgabe von Dokumenten: Welche Rolle spielt HTML5 künftig? Welche Auswirkungen hat dieses Format Ihrer Meinung nach auf die Dokumentenverarbeitung? Grumser AFP ist das Format der letzten Meile zum Drucken, PDF wird das Format der letzten Meile zum Archivieren werden. HTML5 bietet alles weitere um Inhalte geräteunabhängig darzustellen und es ist vergleichsweise einfach in AFP oder PDF zu wandeln. Der Weg umgekehrt ist dagegen sehr aufwändig. HTML5 ist nicht einfach nur der Nachfolger von HTML4, es ist Grundlage völlig neuer Anwendungen im Web bis hin zu Web-Apps also Anwendungen, die sowohl als Apps als auch nur im Browser laufen. HTML ist aber nicht nur die Grundlage responsiver Anwendungen, sondern auch responsiver Geschäftsdokumente, die sich bei der Darstellung an die Größe des Bildschirms anpassen. Die Erstellung von Dokumenten muss sich damit von A4 lösen, was ein komplettes Umdenken in unserer Branche erfordert und uns noch viele Jahre beschäftigen wird. BIT Trotz der Digitalisierung bricht das physische Dokumentenaufkommen nicht so drastisch ein wie vermutet. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Wie lange bleibt uns das ge- Compart-CEO Harald Grumser: „Die Erfindung des Internets hat meines Erachtens höhere politische und soziologische Auswirkungen als die Erfindung des modernen Buchdrucks vor über 550 Jahren.“ „Industrie 4.0 ist ein starkes Schlagwort, das zum Ausdruck bringen möchte, dass wir in der Fertigung vor einem neuen Zeitalter stehen.“


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