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BIT 02-2015

BIT 2–2015 | 99 nicht öffentlich auf einen Beitrag eingehen will. „Bei der Einführung ist darauf zu achten, zügig eine kritische Masse zu erreichen – zum einen von Beiträgen, zum anderen von Mitarbeitern, die selbst etwas schreiben“, so Brausewetter. „Unternehmen sind gut beraten, gerade in der Anfangsphase interessante Inhalte mit großer Regelmäßigkeit sicherzustellen“, rät auch Krüger. Da niemand gezwungen werden kann, noch ein weiteres Tool zu nutzen, müsse man die User durch informative und spannende Beiträge motivieren. Es gebe immer auch Leute, die meinen, kein weiteres Tool zu brauchen. Das wird sich künftig wohl ändern. Noch gibt es das alte Intranet parallel, das soll jedoch perspektivisch abgeschaltet werden – damit sinken nicht nur die Kosten, sondern alle Informationen sind dann an einem Ort zu finden. „Wir haben mit einer schmalen, aber interessanten Funktionalität begonnen, damit auch nicht ganz so technikaffine Mitarbeiter mit dem Tool wachsen können“, blickt Brausewetter zurück. Entscheidend sei vor allem, rechtzeitig vor der Einführung eines Collaboration-Tools die Verständigung mit dem Betriebsrat zu suchen. Bei TUI Infotec wurde das Stufenkonzept mit erweiterten Funktionen durch eine Betriebsvereinbarung verabredet. „Den Betriebsrat interessieren vor allem die Punkte Datenschutz für personenbezogene Daten und inwieweit mit einem solchen Tool eine Leistungs- und Verhaltenskontrolle der Mitarbeiter möglich ist“, erklärt der Projektleiter. Denn theoretisch wäre es denkbar, Mitarbeiter positiver zu bewerten, die viele Beiträge schreiben. Auch der umgekehrte Fall ist vorstellbar: Da alle Beiträge kommentiert und wie bei Facebook geliked werden können, könnte auch dies eine Beurteilung der Mitarbeiter nach sich ziehen, deren Beiträge nicht so gut ankommen. „Entscheidend sollte immer die bessere Form der Zusammenarbeit sein. Unser Betriebsrat nutzt Campus bereits intensiv für die eigene Kommunikation“, so Krüger. Wie viel Entertainment darf sein? Ebenso wie die Netiquette oder Social Media Guidelines braucht auch Social Collaboration ein Herantasten an das, was geht. „Auch hier gelten die Klassiker: keine Beleidigungen, kein Rassismus und respektvoller Umgang“, sagt Krüger. Zwar habe es auch einen Beitrag gegeben, „wie man den perfekten Blogpost schreibt“, doch es sei schwer, hier eine Festlegung zu finden. „Ein individueller Schreibstil kann auch gut und interessant sein, selbst die Länge lässt sich nicht gut vorgeben. Zuviel Guidelines erschweren die Dinge. Es kann auch mal ein Kochrezept sein, das ein Mitarbeiter postet, oder einen Urlaubstipp“, so der Projektleiter. „Es kam die Frage auf, wie viel Entertainment denn erlaubt ist. Unsere Antwort lautete, dass auch der Witz des Tages in Ordnung ist. Der Filter wird von denen gesetzt, die es lesen. Was ankommt, sieht man an den Like- Buttons“, so Brausewetter. Man sollte sich natürlich vorher fragen, welcher Eindruck entsteht, wenn mehrere hundert Menschen einen Eintrag lesen. „Hier hat ein gewisser Paradigmenwechsel stattgefunden. Anstatt vorher schon auszusieben, und nach dem Push-Prinzip zu kommunizieren, kommt heute eher das Pull-Prinzip auf Seiten der Leser zum Tragen“, erklärt der Projektleiter. „Zum ersten Mal auf ‚Posten‘ zu drücken, ist für viele ein aufregender Moment, nicht für alle ist es Tagwerk, sich schriftlich in Form von Artikeln zu äußern“, sagt Krüger. Bei TUI Infotec helfen Community Manager, die für ihren Bereich eine Art Patenfunktion übernehmen, dabei, die Berührungsängste mit dem Tool und der Art der Kommunikation zu überwinden. TUI Infotec nutzt ihr neues Tool auch, um neuen Kollegen die Einarbeitung zu erleichtern. Neuzugänge können sich im Bereich für ihr jeweiliges Projekt schlaumachen. Alle Diskussionen sind leicht nach Keywords durchsuchbar. Auch für das Skill-Management ist das neue Tool nützlich. Zu jedem Mitarbeiter gibt es eine Profilseite, u. a. mit der Expertensuche lassen sich die passenden Mitarbeiter für Projekte finden. Den größten Nutzen jedoch birgt die Möglichkeit, unabhängig von Hierarchieebenen auf Wissen zugreifen zu können. Gerade durch die privaten Inhalte verschwimmen Bereichsgrenzen, über das soziale Netzwerk finden sich Leute, die sonst nicht miteinander in Kontakt gekommen wären. Vor allem wird davon profitiert, dass Problem - stellungen öffentlich gemacht werden. Hinweise und Lösungsideen kommen oft von Leuten, die man sonst nicht erreicht hätte. (www.tui-infotec.com) Die TUI-IT-Tochter TUI Infotec führte ein Collaboration- Tool ein, mit dem die Mitarbeiter den gesamten Kontext zu einem Thema erfassen können.


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