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BIT 02-2015

Geschäftsprozesse 66 | BIT 2–2015 TR-Resiscan Hans-Joachim Hübner, SRZ Orientierungshilfe für Projekte Vorteile: Die TR-Resiscan hat eine Diskussion über das ersetzende Scannen in Gang gebracht, die es in dieser Intensität noch nicht gab. Das ist generell sehr positiv zu bewerten. Sie definiert erstmals sowohl organisatorische als auch verfahrensspezifische und technische Anforderungen für ein ersetzendes Scannen. Indem die Übereinstimmung mit dem Original nachvollziehbar und bestätigt wird, ist eine hohe Beweiswerterhaltung gegeben. Ihre inhaltlichen Vorgaben können somit als Orientierungshilfe für jedwede Art von Projekten dienen, die den beweiswerterhaltenden Ersatz von Papierdokumenten durch digitale Kopien zum Ziel haben. Das ist unabhängig davon, ob man am Ende nach TRResiscan digitalisiert oder nicht. Dienstleister und Software-Anbieter erhalten mit der TR-Resiscan Vorgaben, um Angebote für ein dokumentenersetzendes und beweissicherndes Scannen zu entwickeln. Und Anwender wissen, was sie von einem TR-Resiscan zertifizierten Dienstleister bzw. einer TR-Resiscan zertifizierten Software erwarten dürfen. Anwender sollten sich daher nicht von den markigen Marketing-Sprüchen einiger Anbieter täuschen lassen. Ich habe den Eindruck, dass man versucht, ohne Zertifizierung und den damit verbundenen Kosten auf dem Markt zu bestehen. Das ist sicher nicht im Sinne der Richtlinie. Zukunft: Die größte Bedeutung wird TR-Resiscan in der öffentlichen Verwaltung, im Justizwesen und im Gesundheitssektor einnehmen. Das E-Government-Gesetz verpflichtet Bundesbehörden zur Einführung der E-Akte bis 2020. Im Gesetzeskommentar steht, dass die Digitalisierung nach dem Stand der Technik zu erfolgen hat. Und als Beispiel nennt der Kommentar ausdrücklich die TR-Resiscan. Getrieben wird die Nachfrage nach ersetzendem Scannen auch durch das E-Justice-Gesetz, das die verbindliche Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs bei den Zivil- und Fachgerichten bis 2018 vor- Hans-Joachim Hübner, Spezialist für beweissichere Archivierung und digitale Erfassung, beim SRZ: „TR-Resiscan hat eine Diskussion über das ersetzende Scannen in Gang gebracht, die es in dieser Intensität noch nicht gab. Das ist positiv zu bewerten.“ Markus Schuster, Intarsys Einheitliches Verständnis Vorteile: Die TR Resiscan stellt einen Rahmen an Anforderungen aller am Scan-Prozess beteiligten Komponenten und Prozessschritte dar. Insbesondere die Anlagen P, R und V helfen der Industrie und Verwaltung, das Risikopotenzial einzuschätzen und die rechtliche Bedeutung des Scan-Gutes einzuordnen. Mit der Anlage V steht auch eine exemplarische Gliederung einer Verfahrensanweisung zur Verfügung. Zukunft: Gerade durch die Simulationsstudie Ersetzendes Scannen unter der Projektleitung von Prof. Dr. Alexander Roßnagel wird deutlich, wie wichtig ein einheitliches Verständnis über den Prozess des ersetzenden Scannens ist. In 14 simulierten Gerichtsverfahren, mit echten Richtern und Anwälten, wurden Urteile auf Basis eingescannter Dokumente gefällt. Die Transparenz und das Verständnis für den durchgeführten Scan-Prozess, der Transfervermerk und die Integrationssicherung halfen den Richtern bei der Urteilsfindung. Sieht man die TR-Resiscan auf dieser Basis, wird sie das Werkzeug für Industrie, Verwaltung und Justiz. Markus Schuster, Leiter Marketing und Vertrieb, Intarsys Consulting GmbH: „Um diese nächste Stufe der Digitalisierung zu erreichen, benötigen wir eine TRResiscan.“ sieht. Die TR-Resiscan findet sich deshalb auch immer häufiger in öffentlichen Ausschreibungen. Aktuelles Beispiel: Beim Aufbau eines elektronischen Archivs im Justizbereich muss die gesuchte Lösung eine TR-Resiscan kompatible Scan-Strecke aufweisen. Resonanz: Viele Anwender in den öffentlichen Verwaltungen sind sich bewusst, dass eine durchgängige Digitalisierung mittel und langfristig Kosten senkt. Für die kurzfristigen Investitionen fehlen jedoch momentan die dafür notwendigen Haushaltsmittel. Hier sind Bund, Länder und Kommunen gefragt, dem Thema „beweissichernde Digitalisierung“ eine höhere Priorität beizumessen und letztlich das notwendige Budget bereitzustellen. Ähnliches gilt für das Gesundheitswesen. Viele Kliniken würden gerne elektronische Patientenakten einführen, es steht aufgrund des Kostendrucks für diese Aufgabe aber wenig Budget zur Verfügung. Ein weiterer Faktor sind die noch fehlenden Referenzinstallationen. Gesucht sind also ambitionierte Verwaltungen, die bereit sind, Pionierarbeit zu leisten. (www.srz.de) Resonanz: Zurzeit wird die Diskussion noch zu sehr im Detail geführt. Ist man aber im Dialog mit Industrie und Verwaltung, so wird schnell klar, dass komplizierte Klassifizierungen von Dokumenten gar nicht notwendig sind. Es muss auf der Anwenderseite deutlich werden, dass auch der Schutzbedarf „hoch“ und „sehr hoch“ sowohl technisch komfortabel als auch wirtschaftlich umsetzbar ist. Auch müssen wir die Diskussion beenden, dass wir die TR-Resiscan in der Vergangenheit nicht benötigt haben. Das ist zwar richtig, aber jetzt geht es um die Dokumente, bei denen sich in der Vergangenheit niemand gewagt hat, sie zu digitalisieren und anschließend das Papier zu vernichten. (www.intarsys.de)


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