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BIT 05-2014

Geschäftsprozesse 68 | BIT 5–2014 Scannen TR-Resiscan: Dokumentenersetzendes, rechtssicheres Scannen Viel Theorie – wenig Praxis Im April 2013 hat das BSI die technische Richtlinie TR-Resiscan veröffentlicht. Das Rahmenwerk beinhaltet detaillierte Regeln und Verfahren für den rechtssicheren Ersatz von Papierdokumenten durch digitale Kopien. BIT sprach mit Hans-Joachim Hübner, Spezialist für beweissichernde Archivierung und digitale Datenerfassung beim Satz-Rechen-Zentrum Berlin über den aktuellen Entwicklungsstand. BIT Herr Hübner, bis Ende August hat gerade einmal ein einziger Dienstleistungsanbieter seine TR-Resiscan-Lösung vom BSI zer ti - fizieren lassen. Weshalb ist die Resonanz so gering? Hans-Joachim Hübner Eine Reihe von Unternehmen bietet bereits nach eigenen Aussagen mit Resiscan kompatible Lösungen auf dem Markt an. Ich habe aber den Eindruck, dass man versucht, ohne Zertifizierung und den damit verbundenen Kosten auf dem Markt zu bestehen. Das ist sicher nicht im Sinne der Richtlinie. Sicherlich liegt es auch an den noch überschaubaren Projektanfragen, dass die Zertifizierungen hinterherhinken. Weitere Zertifizierungsankündigungen sind für den Spät-Herbst zu erwarten. Auftrieb ist auch von einem Workshop zu erwarten, zu dem das BSI die Mitglieder des Projektbeirates Resiscan für Mitte November einge - laden hat. Die Teilnehmer sind auf - gefordert, aus ihren praktischen Erfahrungen heraus Änderungs- und Optimierungsvorschläge zur TR-Resiscan zu machen. BIT Was hält Anwender in der öffentlichen Verwaltung, aber auch im Gesundheitswesen und in der freien Wirtschaft davon ab, Digita lisierungsprojekte nach TR-Resiscan-Richtlinie zu starten? Hübner Die Gründe dafür sind vielschichtig. Die größte Bedeutung hat die TR-Resiscan sicher für den Bereich der öffentlichen Verwaltung. Das E-Government-Gesetz ist gerade einmal ein Jahr alt und verpflichtet Bundesbehörden zur Einführung von E-Akten bis zum Jahr 2020. Der Zeitdruck für die betroffenen Verwaltungen ist also vorhanden. Gleiches gilt für die Behörden auf Landes- und Kommunalebene, die sich dem Thema des dokumentenersetzenden Scannens ebenfalls nur sehr zögerlich nähern. Allen Beteiligten ist klar, dass eine durchgängige, ersetzende Digitalisierung mittel- und langfristig Kosten reduziert, kurzfristig jedoch Investitionen erfordert. Die dafür notwendigen Budgets sind in den meisten aktuellen Haushalten offensichtlich noch nicht berücksichtigt. Auch im Bereich des Gesundheitswesens sind fehlende Haushaltsmittel oft der entscheidende Faktor. Viele Kliniken würden gerne elektronische Patientenakten einführen, es stehen aufgrund des Kostendrucks seitens der Krankenkassen dafür aber keine Budgets zur Verfügung. Ausgesprochen gering ist das Interesse an der TR-Resiscan in der freien Wirtschaft. Die Kosten nehmen Unternehmen der freien Wirtschaft nur dann auf sich, wenn gesetzliche oder haftungsrechtliche Vorgaben sie zur langjährigen Aufbewahrung von Dokumenten verpflichten. Das ist nur in wenigen verwaltungs nahen Unternehmen oder in speziellen Branchen, beispielsweise der Automobil- oder Luftfahrtindustrie, der Fall. Hans-Joachim Hübner, Spezialist für beweissichernde Archivierung und digitale Datenerfassung beim Satz- Rechen-Zentrum Berlin: „Allen Beteiligten ist klar, dass eine durchgängige, ersetzende Digitalisierung mittel und langfristig Kosten reduziert, kurzfristig jedoch Investitionen erfordert.“


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