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BIT 05-2014

BIT 5–2014 | 37 Auch wenn es also im Kern um (Neu- )Organisation geht, ein guter Startpunkt für die Prozessorientierung ist die Einführung eines ERP-Systems. Meist sollen durch ein derartiges Projekt die bisherigen Insel-Anwendungen abgelöst und die Aufgaben in einem umfassenden neuen System organisiert werden. Via ERP zum Prozess Die Mehrzahl der heutigen ERPSysteme hat zumindest den Anspruch, nicht nur ein konsistentes Datenmodel zu bieten, sondern auch eine Prozesssicht auf die Abläufe im Unternehmen: Die funktionellen Zusammenhänge werden als solche erfasst, so dass die Aufgaben des (neuen) ERP-Systems die organisatorischen Prozessschritte abbilden. Ein hoher Anteil des Arbeitsaufwands bei einer ERP-Einführung besteht daher im Design von Prozessen. Insofern kommt der IT also eine wesentliche Funktion zu, obwohl die Aufgabe keine originäre IT-Aufgabe ist: Die IT ist letztlich der Ort, an dem die Prozesse im Unternehmen verankert werden. Eine sehr häufig geäußerte Erwartung der Anwender kann in der Regel nicht erfüllt werden: dass alles so läuft wie zuvor. Eine ERP-Einführung stellt die Chance zu einem Konzeptwechsel dar, diese sollte ein Unternehmen dann auch ergreifen. Um so weiterzumachen wie zuvor, braucht man kein ERP-System, dafür reichen meist Reparaturarbeiten am vorhandenen Applikationszoo. Aber auch wenn ein ERPSystem durch ein anderes ersetzt werden soll, muss man sich auf mehr oder weniger deutliche Änderungen in den Abläufen einstellen. Das alte System im neuen nachzubilden, stellt meist ein erhebliches Projektrisiko dar. In diesem Zusammenhang ist ein weiteres Projektrisiko zu nennen: die Überorganisation. Auch wenn die reine Lehre etwas anderes verlangt, nicht jeder Nebenprozess, nicht jeder Sonderfall muss definiert und im ERPSystem abgebildet werden. Viele Unternehmen verzetteln sich hier, denn häufig absorbiert die unerschöpfliche Vielfalt der Sonderfälle einen wesentlichen Teil der Projektarbeit. Außerdem wird dabei oft vergessen, dass solche Sonderfälle nicht nur einmal definiert, abgebildet und dokumentiert, sondern im Weiteren auch dauerhaft gepflegt werden müssen. Es ist besser, 95 Prozent der Prozesse gut zu strukturieren und beim Rest ein wenig Pragmatismus walten zu lassen. Mitarbeiter involvieren Ein weiterer Aspekt wird damit deutlich: Die Ausrichtung an Prozessen und eine entsprechende ERP-Einführung ist auch jenseits der IT keine nur technische Angelegenheit. Einführungsprojekte scheitern nicht selten daran, dass die nicht-technischen Faktoren falsch eingeschätzt werden. So ist es von Bedeutung, dass die betroffenen Mitarbeiter rechtzeitig involviert werden. Dass man hier auf Vorbehalte stößt, liegt in der Natur der Sache, es ist deren tägliche Arbeit, die neu strukturiert wird. Umso wichtiger sind rechtzeitige Informationen und Beteiligung. Dies sollte auch organisatorisch verankert werden: Die Betroffenen – bzw. ihre Vertreter – sollten nicht hin und wieder, hier und da einbezogen werden, sondern am besten eine klar definierte Rolle im Transitionsprozess übernehmen. Eine ERP-Einführung gegen den offenen oder stummen Widerstand der Mitarbeiter ist eine denkbar schlechte Voraussetzung für den Erfolg eines solchen Projekts. Ebenso wichtig ist die Einbeziehung der Unternehmensführung. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, denn allzu oft meint das Management, mit der Unterschrift unter dem Auftrag wäre sein Part schon erledigt. Da aber ERPEinführung immer auch Prozessdefinition heißt, geht es hier um eine Führungsaufgabe, die von entsprechenden Funktionsträgern mit Entscheidungsbefugnis übernommen werden muss. Immerhin legt man mit einem neuen ERPSystem einen wesentlichen Grundstein für den Unternehmenserfolg der Zukunft. Für die Einführung eines ERP-Systems werden normalerweise spezielle Projekt-Teams gebildet. Die Zusammensetzung dieser Teams entscheidet mit über den Erfolg des Projekts. Es müssen alle Stake holder vertreten sein und diese sollten auch von den richtigen Leuten vertreten werden, deren Auswahl sollte daher mit Sorgfalt erfolgen. Auch wenn es in der Praxis oft schwierig ist, die Top-Leute in das ERP-Einführungsteam zu holen: Dies ist kein Aktionsfeld für Frühstücksdirektoren oder ausschließlich Nachwuchshoffnungen. Die ERPEinführung stellt eine große Veränderung für ein mittelständisches Unternehmen dar, die Veränderungen sind aber mit dem Projektende keineswegs abgeschlossen. So nicht schon vorhanden, sollte man deshalb von Anfang an ein Change-Management aufsetzen und dabei Prozesse für die fortlaufende Verbesserung definieren. Das ist ein wesentlicher Faktor für ein langfristig erfolgreiches Prozess-Management. (www.ifsworld.de) Prozesslandkarte der projektorientierten Fertigung.


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