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BIT 05-2014

BIT 5–2014 | 29 fende Brücken geschlagen werden – auch über die Firewall des eigenen Unternehmens hinaus. 2007 forderte ich in einem Blog- Beitrag alle ECM-Anbieter auf, einen ECM-Standard zu entwickeln. Dieser sollte eine herstellerunabhängige Kommunikation ermöglichen, vergleichbar mit der Rolle von SQL für relationale Datenbanken. 2010 veröffentlichte Oasis den ersten CMIS-Standard. Die Entscheidung der Europäischen Kommission, dass Microsoft sein Share- Point-Protokoll offenlegen müsse, war ein weiterer wichtiger Schritt. In den frühen 2000er Jahren zeichnete sich innerhalb der Tech-Gemeinde ein weiterer Trend ab, der sich in Folge zur Share-Economy entwickeln sollte: die Abkehr von der proprietären Lizenz hin zu Open-Source. Alfresco war damit am Puls der Zeit. Das Preview-Release wurde innerhalb der ersten zwei Monate 25000 Mal heruntergeladen. Heute nutzen über elf Millionen Anwender die ECMPlattform. Alfresco war einer der Pioniere für Open-Source-Software und betreibt eines der größten und etabliertesten Open-Source-Projekte überhaupt, mit 25000 aktiven Installationen. Seit dem Start haben 30000 Entwickler an der Community mitgewirkt. Von dort kommen nach wie vor wichtige Impulse. Zu den Technologien, die für die nahe Zukunft bestimmend sein werden, gehören eine gut funktionierende Suche sowie ein weitgehend automatisiertes Tagging und die Metadaten-Zuweisung. Immer mehr Speicher Speicherkapazitäten wachsen weiter exponentiell und damit verbunden auch die gespeicherten geschäftskritischen Informationen. Über viele dieser Daten und Informationen haben Unternehmen keine Kontrolle mehr. Wir haben einen Wendepunkt erreicht: Unternehmen können die Einschränkungen beim Zugriff, beim Durchsuchen und in der Qualität ihrer Informationen nicht weiter hinnehmen. Neue ECM-Lösungen mit moderner Architektur sind gefordert, die den Zugriff auf Informationen in gesicherter Qualität bieten, und die bei aller gebotenen Kontrolle über den Content einfach zu bedienen sind. Die bisherigen ECMSysteme konnten dies nicht leisten. Am User vorbei Rein funktional konnten die DMS-Systeme vor 15 Jahren bereits enorm viel, aber keiner wollte damit arbeiten. Nur mit sanftem Druck waren Knowledge- Worker zu motivieren, wichtige Dokumente über umständliche Formulare in „noch ein System“ hochzuladen. Sie bevorzugten eher ein Laufwerk auf einem Server. Eines war offensichtlich: ECM musste einfacher werden, sonst würden die wichtigsten Know-how- Träger nicht damit arbeiten wollen. Der Maßstab für alle ECM-Anbieter muss es also sein, so einfach – und gleichzeitig so sicher – zu werden wie ein Netzwerk-Laufwerk. Die Entwicklungen rund um das mobile Internet eröffnen neue Möglichkeiten – und stellen uns vor große Herausforderungen. Denn es geht nicht nur darum, geschäftsrelevante Inhalte mit Kunden und Partnern zu teilen. Es geht darum, die mit den Inhalten verknüpften Prozesse auch mobil zu unterstützen und so ein effizientes und gleichzeitig sicheres Arbeiten unterwegs zu ermöglichen. Mit hybriden Ansätzen, die Inhalte in der Cloud und on-premise synchronisiert und voll kontrollierbar bereitstellen sowie mit leistungsstarken Apps scheint auch diese Hürde inzwischen gemeistert. Von Zeit zu Zeit versuche ich mir vorzustellen, wie unser Arbeitsleben in fünf oder zehn Jahren aussehen mag. Kaum noch vorstellbar, aber vor zehn Jahren gab es weder Facebook noch Google Maps oder Dropbox. Gerade weil sich Technologie so schnell wandelt, ist eine Vorhersage für 2024 alles andere als einfach. Ich glaube, dass sich im Bereich der künstlichen Intelligenz vieles tun wird. Eine Weiterentwicklung der vorausschauenden Informationsverarbeitung, verbunden mit einem tieferen psychologischen Verständnis, könnte Software hervorbringen, die zwischen kreativen und eher logisch-rationalen Usern unterscheidet und sich dem Benutzertyp anpasst. Ein virtueller Arbeitsplatz könnte den festen Schreibtisch im Büro ablösen – inklusive der Möglichkeit, über dreidimensionale Projektionen an Meetings teilzunehmen. Das Arbeitsmittel könnte statt eines PCs oder Laptops eher ein biegsamer LED-Screen sein, der aufgerollt in die Jackentasche passt. Dass Dokumente verschwinden, ist eher unwahrscheinlich. Aber die Art und Weise, wie sie erstellt und weiterbearbeitet werden, könnte mit smarten Technologien stark vereinfacht werden. Neben Text-, Tabellen- und Präsentationsdateien werden vor allem Unterhaltungen und audiovisuelle Medien das Content-Management prägen. Wird es ECM weiterhin geben? Der Begriff wird wohl weiter bestehen, aber er wird – wie in der Vergangenheit – seine Definition verändern, genauso wie sich die Inhalte, die Anwendungsgebiete und die Art und Weise, wo und wie wir Content innerhalb und jenseits der Firewall aufrufen und bearbeiten, verändern. Durch unsere starke Verbindung zur Open-Source- Community erfahren wir täglich, dass das Innovationspotenzial auf dem Sektor ECM noch lange nicht ausgeschöpft ist. Wir stehen erst am Anfang dessen, was mit ECM möglich ist. (www.alfresco.de) Ein modernes ECM mit offenen Standards hat dafür zu sorgen, dass für ein effizientes Arbeiten systemübergreifende Brücken geschlagen werden.


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